Wir behandeln Krampfanfälle bei Kindern, indem wir die Punkte entsprechend der Syndromdifferenzierung auswählen. Alle äußeren Pathogene können sich in Feuer verwandeln (liù qì huà huǒ), und Leber-Hitze kann inneren Wind erzeugen (gān rè shěng fěng), der zu Zyanose und Opisthotonus führt. LG 26 (rén zhōng) und Di 4 (hé gǔ) sind die Hauptpunkte. Die Extrapunkte shí xuān, LG 16 (fěng fǔ), LG 14 (dà zhuī), LG 13 (táo dào), LG 12 (shěn zhù) und Le 1 (dà dūn) werden bis zum Bluten akupunktiert und sedierend manipuliert. Damit kann man die Hitze klären, den Schleim zerstreuen (qīng rè huà tán), den Wind beruhigen und die Krampftätigkeit unterdrücken (xī fěng zhèn jìng). Bei Mangelzuständen in Milz und Magen und Unterernährung der Leber (pí wèi xū ruò, gān shī rú yǎng), was sich in fahler Gesichtsfarbe, weichen Stühlen sowie klonischen Zuckungen der Hände und Füsse zeigt, wählt man LG 26 (rén zhōng) und Ma 36 (zú sān Iǐ) als Hauptpunkte. KG 12 (zhōng wǎn), KG 6 (qì hǎi), Pk 6 (nèi guān) und MP 6 (sān yīn jiāo) sind die Zusatzpunkte. Sie werden mit tonisierenden Methoden akupunktiert und moxibustiert, um Milz und Magen zu kräftigen (péi bǔ pí wèi), das Blut zu nähren und die Leber zu erweichen (yǎng xuè róu gān).

Fallbeispiel: Krampfanfälle bei Kindern

Ein Junge von anderthalb Jahren bekam hohes Fieber und Husten. Plötzlich bekam er einen Fieberkrampf, seine Gliedmaßen krampften, er hatte eine Kieferklemme und Opisthotonus und sonderte schaumigen Speichel ab. Bei der Untersuchung hatte er eine Körpertemperatur von 39,8° C, die Atemfrequenz betrug 38/Minute, der Puls 108/Minute. Über der Lunge war ein raues Atemgeräusch zu auskultieren. Milz und Leber zeigten keinen pathologischen Befund. Er war gut genährt, der Pharynx war gerötet, und auf den Fingern zeigten sich purpurfarbene Streifen. Die Diagnose lautete: Hohes Fieber führte zu Fieberkrämpfen. Das Fieber war verursacht durch Eindringen äußerer Pathogene (wài gǎn shí xié) und hatte sich in Wind umgewandelt (rù nèi huà fěng). Wind und Schleim waren in die Meridiane eingedrungen (fěng tán zǒu cuàn jīng luò), was zu Krämpfen der Glieder, Kieferklemme und Opisthotonus geführt hatte. Die Behandlung musste den Wind ausleiten, den Schleim eliminieren (qū fěng huà tán), die Hitze klären und so die Krämpfe beenden (qīng rè zhǐ jìng). LG 26 (rén zhōng), Di 4 (hé gǔ) und LG 14 (dà zhuī) wurden akupunktiert und am Extrapunkt shí xuān wurde Blut abgelassen. Die Nadeln wurden zwischen 30 Minuten und einer Stunde liegengelassen. In dieser Zeit wurde alle zehn Minuten mit sedierenden Methoden manipuliert. Die Krämpfe konnten beendet werden. Nach 24 Stunden waren sie nicht wieder aufgetreten. Nun bekam der Patient ein Kräuterdekokt. Am dritten Tag war das Fieber abgefallen.