In akuten Fällen von Rückenschmerzen (Lumbago) kann man mit dieser Methode in einer Sitzung die Beschwerden vollständig beseitigen und die Beweglichkeit des unteren Rückens wiederherstellen. In chronischen Fällen sind mehrere Behandlungssitzungen notwendig.

Behandlungsprinzipien

Bei Patienten mit Lumbago vom Fülle-Typ bewegt man die Blutstagnation und öffnet die Leitbahnen (xíng yū tōng luó). Bei Patienten mit Mangelzuständen nährt man das Blut und öffnet die Leitbahnen (yǎng xuè tōng luò). Man kann eine eher sedierende Wirkung erzielen, indem man mehr Blut ablässt, und eine eher stärkende Wirkung erzielen durch weniger heftiges Stechen und weniger Blutverlust.

Punktauswahl

Man wählt Punkte auf der Blasen- und auf der Magenleitbahn sowie schmerzhafte Punkte (à shì) aus.

Behandlungsmethoden

Man benötigt eine dreikantige Nadel, Schröpfköpfe, Spritzen und Nadeln. Man kann eine der folgenden Behandlungsmethoden durchführen.

  1. Man sticht am Punkt Bl 23 (shèn shū) mit einer schmalen dreikantigen Nadel ein und schröpft, bis 3 bis 10 ml Blut herauslaufen.
  2. Behandlung der schmerzempfindlichen (à shì) Punkte. Sowohl bei akuten als auch bei chronischen Fällen findet man druckschmerzhafte Punkte, Verspannungen der Muskulatur und harte Knoten im Bereich des Rumpfes. Diese sticht man mit einer dreikantigen Nadel und schröpft anschließend, um 3 bis 10 ml Blut herauszulassen.
  3. Man sticht die Punkte Bl 23 (shèn shū) und Bl 25 (dà cháng shū) mit der dreikantigen Nadel und schröpft 5 ml Blut ab.
  4. Blutenlassen mit einer dünnen dreikantigen Nadel am Punkt Bl 40 (wěi zhōng) oder in der Gegend oder man entnimmt 8 bis 15 ml Blut mit einer Spritze. Dies kann man an jeder beliebigen Seite des Rumpfes tun, sofern dort variköse Venen zu finden sind.
  5. Man sticht am Punkt Bl 2 (zǎn zhú) mit einer dünnen Nadel ein- bis zweimal ein. Dann quetscht man 0,5 bis 1,5 ml Blut heraus.
  6. Man sticht mit einer dreikantigen Nadel am Punkt Ma 25 (tiān shū) und entfernt mit Schröpfen 3 bis 5 ml Blut.
  7. Die Punkte LG 4 (mìng mén) und LG 3 (yāo yáng guān) werden mit einer dünnen dreikantigen Nadel gestochen. Mit Schröpfköpfen wird 3 bis 5 ml Blut abgelassen. Diese Methode wendet man vor allem bei adipösen Patienten an.

Behandlungsverlauf

Bei Verstauchungen und Kontusionen benötigt man 1 bis 3 Behandlungen. Damit kann der Schmerz in der Regel innerhalb von drei Tagen gestillt werden. Bei chronischen Fällen mit Zerrungen der Muskulatur behandelt man mit 3 bis 4 Sitzungen in der Woche, wobei sieben Behandlungen als ein Therapiezyklus gelten. Zwischen zwei Behandlungszyklen macht man eine Pause von 3 bis 5 Tagen. Man kann drei bis fünf Behandlungszyklen durchführen.

Akute Rückenschmerzen: Fallbeispiel 1

Eine 60jährige Bäuerin klagte über Schmerzen im unteren Rücken, die aufgetreten waren, als sie in einem überfüllten Bus fuhr. Sie hatte in ihrem Leben noch nie Lumbago gehabt. Die Röntgenuntersuchung ergab keinen pathologischen Befund. Bei der Untersuchung fand man eine harte und druckempfindliche Stelle in der Gegend des Punktes Bl 23 (shèn shū). Sie hatte einen gespannten Puls, und die Zunge war weiß belegt. Hier war eine Blutstase nach einer Verstauchung eingetreten.

Die Behandlung bestand darin, die Blutstase zu bewegen und die Verbindungsgefäße zu öffnen (xíng yū tōng luó), um so die Schmerzen zu stillen (zhǐ tòng). Es fand sich eine Varize an der medialen Seite des Punktes Bl 40 (wěi zhōng). Hier wurde mit einer dünnen dreikantigen Nadel eingestochen, um 10 ml Blut abzulassen. Die Schmerzen besserten sich und die Beweglichkeit des Rumpfes war wiederhergestellt. Nach einer zweiten Sitzung am nächsten Tag war die Patientin beschwerdefrei.

Chronische Rückenschmerzen: Fallbeispiel 2

Ein 36jähriger Lehrer klagte über ein Gefühl der Wundheit im Rumpf, das er seit sieben Jahren hatte. Seit er 16 Jahre alt war, hatte er Rückenschmerzen, Schwindel, Ohrgeräusche, nächtliche Samenergüsse, kalte Gliedmaßen, Palpitationen und Schweißausbrüche. In den letzten Jahren war sein Gedächtnis immer schlechter geworden. Bei der Untersuchung hatte er eine fahle Gesichtsfarbe, eine blasse Zunge mit weißem Zungenbelag und einen versunkenen und schmalen Puls (chén xì). In der Gegend der Nieren war das Beklopfen schmerzhaft.

Mit einer dreikantigen Nadel wurde auf beiden Seiten Bl 23 (shèn shū) gestochen und mit den Schröpfköpfen 2 bis 4 ml Blut abgelassen. Diese Behandlung wurde dreimal pro Woche wiederholt. Nach drei Wochen waren die Rückenschmerzen gelindert. Nach einer Pause von einer Woche wurden weitere sieben Behandlungen durchgeführt. Anschließend ging es ihm besser.

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