Die Ursachen von Magenschmerzen sind sehr komplex. Bei der Behandlung muss man die Energie der Leber zerstreuen (shū gān), den Magen harmonisieren (hé wèi), die Milz stärken (jián pí) und die Verdauungsfunktion fördern (xiāo dǎo), das Innere wärmen (wěn zhōng) und Kälte vertreiben (sàn hán), dies einhergehend mit symptomatischer Behandlung.

Dazu werden folgende Hauptpunkte ausgewählt:

  • KG 12 (zhōng wǎn),
  • Ma 36 (zú sān Iǐ),
  • Pk 6 (nèi guān),
  • Bl 21 (wei shü),
  • Bl 20 (wèi shū) und
  • Bl 18 (gān shū).

Als zusätzliche Punkte werden folgende Punkte verwendet:

  • Wenn die Leber den Magen angegriffen hat (gān mù fàn wéi): Le 13 (zhǎng mén) und Gbl 34 (yáng líng quán);
  • bei Stagnation von unverdauter Nahrung (shí zhì bú huà) und Ansammlung von Nässe-Hitze (wěn rè jī zhì): KG 13 (shàng wǎn) und KG 10 (xià wǎn);
  • bei Mangel und Kälte in Milz und Magen (pí wèi xū hán): Ma 21 (liáng mén);
  • bei Störungen der Verbindungsgefäße durch stagnierendes Blut (yū xuè shāng luò): Bl 17 (gé shū).
  • Am Ohr kann man die Punkte Magen, Milz, Leber, Sympathikus, shenmen, Subkortex und Duodenum behandeln.

Behandlungsmethoden

Die Hauptpunkte werden in zwei Gruppen unterteilt. Diese werden abwechselnd behandelt. Wenn der Magen durch die Leber angegriffen ist und das qi der Leber rebelliert, werden alle diese Punkte sedierend behandelt. Bei Mangel und Kälte in Milz und Magen werden Bl 18 (gān shū), Bl 20 (pí shū) und Bl 21 (wèi shū) tonisiert sowie KG 12 (zhōng wǎn) mit Akupunktur und Moxibustion behandelt.

Bei akuten Schmerzen werden die Zustimmungspunkte am Rücken mit den Fingern stimuliert. Dazu liegt der Patient auf dem Bauch und der Therapeut benutzt die Daumen, um von unten nach oben entlang der beiden Seiten der Wirbelsäule die Punkte zu massieren. Wenn man mit diesem Drücken und Massieren in die Gegend von Bl 21 (wèi shū) und Bl 17 (gé shū) kommt, kann man Verspannungen, Knoten und Stränge spüren. Dort benutzt man dann beide Daumen, um die aktiven Punkte zu massieren.

Von den Ohrpunkten werden 3 bis 4 in einer Sitzung behandelt. Man behandelt mit 5 fěn langen Nadeln und lässt sie 20 bis 30 Minuten liegen. Man kann auch Samenkörner (semen vaccariae) nehmen, die auf die Punkte geklebt werden. Der Patient wird angeleitet, die Samen selbst dreimal täglich jeweils 10 bis 20mal gegen die Punkte zu drücken. Man wechselt die Samenkörner alle drei Tage.

Fallbeispiel: Magenschmerzen

Ein 56jähriger Mann litt seit mehr als fünf Jahren an chronischer Gastritis. Die akuten Krankheitsschübe wurden ausgelöst durch emotionale Erregungen, Eindringen von äußeren Pathogenen und durch unmäßige Aufnahme von Speisen und Getränken. Vor zwei Monaten hatte er eine akute Gastroenteritis mit Erbrechen und Durchfall für mehrere Tage, nachdem er unvorsichtig gegessen hatte. Nachdem er deswegen behandelt worden war, hörten diese Beschwerden auf. Die Magenschmerzen jedoch wurden schlimmer, und er bekam übelriechende Gasansammlungen im Oberbauch und hatte keinen Appetit mehr. Die Schmerzen wurden durch Wärme gelindert.

Bei der Untersuchung hatte er einen versunkenen, verlangsamten und schwachen Puls und einen dicken weißen Zungenbelag. Die Diagnose war: Mangel und Kälte in Milz und Magen (pí wèi xū hán).

Die Behandlung erfolgte entsprechend folgender Prinzipien: Die Milz stärken (jiàn pí), den Magen harmonisieren (hé wèi), das Innere wärmen und die Kälte ausleiten (wěn zhōng sàn hán). KG 12 (zhōng wǎn) wurde wärmend genadelt, Pk 6 (nèi guān) wurde sedierend, Ma 36 (zú sān Iǐ) tonisierend manipuliert, Bl 20 (pí shū) wurde tonisiert, Bl 21 (wèi shū) gleichmäßig tonisiert und sediert. Am Ohr wurden die Punkte Magen, Duodenum, Sympathikus und Milz ausgewählt.

Der Schmerz war nach der ersten Sitzung gemildert und verschwand nach zehn Sitzungen. Der Appetit war gebessert. Nun wurden Samenkörner (semen vaccariae) auf die Ohrpunkte geklebt, die alle drei Tage gewechselt wurden, insgesamt zehnmal. Nach zwei Monaten wurde er nachuntersucht und hatte bis dahin keinen Rückfall erlitten.