Um eine schnelle Linderung von Magenschmerzen zu erreichen, wendet man die Fingerdruckmassage am Punkt LG 11 (shén dào) an. Anschließend wird eine gründliche Behandlung entsprechend der Syndromdiagnose durchgeführt.

Ein-Punkt-Fingerdruckmassage

Der Patient kann liegen oder sitzen. Der Therapeut steht auf der linken Seite des Patienten und drückt mit dem rechten Daumen in einem Winkel von 45° für 3 bis 5 Minuten auf den Punkt LG 11 (shén dào) mit so viel Druck, wie der Patient noch aushalten kann. Normalerweise kann der Schmerz innerhalb einer Minute gelindert werden. Sollte dies nicht der Fall sein, kann man entsprechend länger drücken.

Behandlung auf der Grundlage der Syndromdifferenzierung

Die Hauptpunkte sind Pk 6 (nèi guān) und Ma 36 (zú sān Iǐ) sowie schmerzhafte Punkte im Epigastrium.
  • Wenn Kälte im Inneren stagniert (hán xié nèi jī), werden zusätzlich MP 4 (gōng sūn) und Le 2 (xíng jiān) mit sedierender Manipulation genadelt und moxibustiert (jiě yù sàn hán).
  • Wenn es sich um eine Stagnation von Speisen und Getränken handelt (jǐn shí tíng zhì), werden die Punkte Ma 44 (nèi tíng) und KG 11 (jiàn Iǐ) genadelt mit sedierender Manipulation, um das Innere zu befreien und den Magen zu harmonisieren (kuān zhōng hé wèi).
  • Wenn der Magen durch die Leber angegriffen ist (gān qì fàn wéi), werden Le 14 (qí mén) und Gbl 34 (yáng líng quán) mit sedierender Manipulation oder mit gleichmäßig sedierend und tonisierender Manipulation genadelt, um die Leberenergie zu zerstreuen, den Gallenfluss zu erleichtern (shū gān Iì dǎn), qì zu regulieren und den Schmerz zu stillen (Iǐ qì zhǐ tòng).
  • Bei stagnierender Hitze in Leber und Magen (gān wèi yù rè) werden zusätzlich Le 3 (tài chōng) und Ma 44 (nèi tíng) mit sedierender Manipulation genadelt, um die stagnierende Hitze auszuleiten (qīng wèi xiè yù rè) und das qì der Leber zu unterdrücken (fīng gān qì).
  • Bei Hitze im Magen und Stagnation von qì (wèi rè qì yù) werden zusätzlich Ma 44 (nèi tíng) und Ma 43 (xiàn gǔ) genadelt, um so die pathogene Hitze im yáng míng Meridian zu eliminieren (qīng xiè yang míng zhi xié rè) und so die Funktionen des Verdauungstraktes zu reinigen (tōng fǔ qì).
  • Bei einer Akkumulation von Nässe und Schleim (tán shī dòu liú) werden KG 14 (jù què) und Ma 40 (fěng lóng) mit sedierender Manipulation genadelt und moxibustiert, um den Schleim aufzulösen und das Innere zu erleichtern (huà tán chàng zhōng).
  • Bei Blutstase (yū xuè) werden Bl 17 (gé shū) und MP 4 (gōng sūn) zusätzlich mit sedierender Manipulation genadelt, um den Fluss des Blutes zu aktivieren (xíng xuè) und die Stase zu eliminieren (pò yū).
  • Bei Blut im Stuhl (biàn xuè) fügt man MP 10 (xuè hǎi) dazu.
  • Bei einem Mangel in Milz und Magen (pí wèi xū ruò) nadelt man zusätzlich Bl 20 (pí shū) und Bl 21 (wèi shū) mit tonisierender Manipulation und Moxibustion, um die Milz zu stärken (jiàn pí), damit sie ihre Aufgabe der Förderung der Verdauung und des Transportes besser wahrnehmen kann (zhù yùn huà), um den Magen zu harmonisieren (hè wéi) und Nässe auszuleiten (huà shuǐ shī).
Alle Nadeln sollen nach dem Erreichen des Nadelgefühls 30 Minuten liegenbleiben. In dieser Zeit werden die Nadeln drei- bis fünfmaI manipuliert. Genadelt wird einmal täglich oder an jedem zweiten Tag, wobei zehn Sitzungen einen Therapiezyklus bilden.

Fallbeispiel: Magenschmerzen

Eine 27jähnge Bäuerin hatte häufig Magenschmerzen. Zum Zeitpunkt der Untersuchung klagte sie über Schmerzen im Epigastrium, die schlimmer geworden waren, als sie während einer Mahlzeit getrunken hatte. Im örtlichen Krankenhaus war sie erfolglos behandelt worden. Der Punkt LG 11 (shén dào) wurde eine Minute lang mit dem Finger massiert. Die Schmerzen besserten sich und verschwanden nach einer weiteren Minute der Fingerdruckmassage. Nach vier Stunden schlief sie ein. Am nächsten Tag konnte sie ohne Schmerzen eine Mahlzeit zu sich nehmen. Anschließend wurde sie nach den Regeln für stagnierende Hitze in Milz und Magen behandelt. Auf beiden Seiten wurden die Punkte Pk 6 (nèi guān), Ma 36 (zú sān Iǐ) und KG 12 (zhōng wǎn) genadelt und zusätzlich beidseits Le 3 (tài chōng) und Ma 44 (nèi tíng). Die Nadeln wurden durch Drehen und Rotieren sedierend manipuliert und 30 Minuten liegengelassen. In dieser Zeit wurden sie alle zehn Minuten manipuliert. Die Behandlung wurde einmal täglich gegeben. Nach fünf Behandlungen waren alle Symptome deutlich gebessert. Dann wurde an jedem zweiten Tag behandelt und gleichmäßig sedierend und gleichmäßig tonisierend manipuliert für weitere zehn Sitzungen. Danach war die Patientin beschwerdefrei.