Die Hauptpunkte zur Behandlung von Magenschmerzen sind die Ohrpunkte Magen und Sympathikus. Aber auch bei der Ohrakupunktur von Magenschmerzen werden die zugrundeliegenden Syndrome differenziert: Bei Kälte im Magen (wèi hán) nadelt man zusätzlich den Ohrpunkt Subkortex und lässt Blut ab am Punkt Ohrspitze. Bei Nahrungsstagnation, die den Magen belastet (shí jī shāng wèi), und Appetitverlust (nà dāi) nimmt man zusätzlich die Ohrpunkte Milz, Pankreas, Gallenblase und Endokrinium. Wenn der Magen durch die Leber angegriffen wurde (gān qì fàn wéi), nimmt man noch die Ohrpunkte Leber und Lunge. Bei Mangel in Milz und Magen (pí wèi xū ruò) nadelt man zusätzlich die Ohrpunkte Milz, Nieren und Subkortex.

Akupunkturmethode

Es werden Nadeln von 28 G Dicke und 0,5 cùn Länge benutzt. Man sticht die Nadel genau in den Punkt und führt sie unter Drehen bis zum unter der Haut gelegenen Knorpel, ohne die Haut auf der anderen Seite zu durchbohren. Die Nadel wird 20 bis 30 Minuten liegen gelassen. Man nadelt jeweils nur ein Ohr in einer Sitzung und klebt Druckkügelchen auf die Punkte des anderen Ohres. Dies wird abwechselnd an jedem zweiten Tag durchgeführt. 7 bis 10 Sitzungen bilden einen Therapiezyklus. Vor einem neuen Zyklus macht man eine Pause von 3 bis 5 Tagen.

Druckkügelchenmethode

Man schneidet ein Pflasterstück von der Größe 6×6 mm zurecht und klebt in die Mitte ein bis zwei Samenkügelchen von Semen vaccariae. Nun klebt man das Pflaster mit den Samen auf Akupunkturpunkte und drückt solange darauf, bis ein leichter Schmerz oder ein Gefühl der Hitze empfunden wird. Der Patient wird angeleitet, drei- bis fünfmal am Tag jeweils ein bis zwei Minuten lang auf das Pflaster zu drücken.

Fallbeispiel: Magenschmerzen

Ein 28jähriger Techniker klagte über Magenschmerzen, die vor etwa 20 Tagen erstmals aufgetreten waren, nachdem er vom Regen durchnässt worden war. Er hatte außerdem Unbehagen im Epigastrium, schlechten Appetit, Aufstoßen. Er hatte dreimal Schleim und unverdaute Nahrung erbrochen.

Bei der Untersuchung hatte er eine fahle Gesichtsfarbe und einen gequälten Gesichtsausdruck. Er vermied zu sprechen. Sein Bauch war weich, das Epigastrium war druckempfindlich, Leber und Milz waren unauffällig. Der Puls war versunken und schwach, die Zunge massig mit dünnem weißem Belag. Die Haut an den Ohrpunkten für Magen und Milz war gerötet.

Am linken Ohr wurden die Punkte Magen, Subkortex, Milz, Sympathikus genadelt, und an der Ohrspitze wurde Blut abgelassen. Am rechten Ohr wurden Samenkügelchen auf die Punkte Magen, Sympathikus, Endokrinium, Subkortex und Leber geklebt. Nach fünf Minuten waren die Magenschmerzen und das Völlegefühl verschwunden. Der Patient fühlte eine Wärme im Magen. Diese Behandlung wurde an jedem zweiten Tage durchgeführt für insgesamt zehn Sitzungen. Bei der Nachuntersuchung nach einem Jahr war er ohne Rückfall geblieben.