Meistens kommen die Patientinnen mit mangelnder Milchproduktion (Hypgalaktie) zur Akupunkturbehandlung, wenn Medikamente ihnen nicht helfen. Man kann entsprechend der Syndromdifferenzierung verschiedene Erkrankungstypen unterscheiden

Mangel an qì und Blut (qì xuè kuī xū)

Hier muss man qì und Blut nähren (bǔ yì qì xuè) und die Milchbildung fördern (tōng rǔ). Dazu akupunktiert man Di 4 (hè gǔ), MP 6 (sān yīn jiāo) mit tonisierender Manipulation.

Dü 1 (shào zé) ist ein zusätzlicher Punkt, der entweder tonisierend oder sedierend akupunktiert wird, um die Milchbildung zu fördern.

Bei Komplikation durch Stagnation von qì ergänzt man die Behandlung durch tonisierende Akupunktur an den Punkten Di 4 (hè gǔ), MP 6 (sān yīn jiāo) und zusätzlich Pk 5 (jiān shǐ) mit sedierender Manipulation, um so die Milchausschüttung zu fördern.

Stagnation in der Leber und qì-Stagnation (gān yù qì zhì)

Die Behandlung muss die Leber beruhigen, Stagnationen beseitigen (shū gān jiě yù), die Verbindungsgefäße klären und so die Milchausschüttung fördern (tōng luò xià rǔ).

Hier kann man die Punkte Pk 5 (jiān shǐ) und Le 14 (qí mén) oder Le 3 (tài chōng) und Dü 1 (shào zé) sedierend akupunktieren oder KG 17 (dàn zhōng) sedieren, indem man die Nadel senkrecht einsticht, so dass sich das Nadelgefühl über die Brüste ausbreitet. Damit wird das qì zerstreut und die Gefäße der Brüste werden geklärt (shū tiáo qì jī, xuān tōng rǔ luò).

Pk 5 (jiān shǐ) erleichtert das Völlegefühl in den Brüsten und reguliert qì (kuān xiōng lǐ qì); Le 14 (qí mén) wird horizontal entlang der Brust und nach oben gestochen, damit sich das Nadelgefühl über die Brust ausbreitet, oder wird moxibustiert. Alle Punkte werden sedierend manipuliert. Dü 1 (shào zé) wird spitz gestochen.

Bei Schwellungen und Hitze in den Brüsten werden die Punkte Pk 5 (jiān shǐ), Le 14 (qí mén) und Dü 1 (shào zé) sedierend akupunktiert, um die Leber zu beruhigen, die Stagnation auszuleiten (shū gān jiě yù) und qì zu regulieren und die Milchbildung zu fördern (lǐ qì tōng rǔ).

Ma 44 (nèi tíng) wird ebenfalls sediert, um die Hitze zu klären und Knoten zu zerschlagen (qīng rè sàn jié). Wenn der Magen durch die Leber angegriffen wurde (gān qì fàn wèi) und nicht mehr seine Energie nach unten leiten kann (wèi shī hé jiàng), wird dadurch die Bildung von qì und Blut beeinträchtigt und zu wenig Milch gebildet. Dann sollen die Punkte Pk 5 (jiān shǐ) und Ma 36 (zú sān Iǐ) sediert werden, um qì zu regulieren und den Magen zu harmonisieren (lǐ qì hé weì). Dü 1 (shào zé) wird sediert, um die Milchbildung zu fördern (tōng chàng rǔ zhī).

Mangelzustand von Milz und Magen (pí wéi xū ruò)

Hier werden die Punkte Ma 36 (zú sān Iǐ) und MP 9 (yīn Iíng quán) tonisiert, um Milz und Magen zu kräftigen (jiän zhuäng pi wei). Man kann sie auch erst ein wenig sedieren und dann kräftig tonisieren und so die Milz stärken, das qi kräftigen (jiänpiyi qi) und den Magen harmonisieren, indem die Verdauungsfunktion erleichtert wird (he wei chäng zhöng), Wenn die Verdauung sich gebessert hat, kann man Di 4 (hè gǔ) und MP 6 (sān yīn jiāo) tonisieren, um qì und Blut zu stärken und so die Laktation zu fördern.

Außerdem kann man auch symptomatisch behandeln. Dazu akupunktiert man wieder die Punkte
KG 17 (dàn zhōng) und Dü 1 (shào zé) sedierend und moxibustiert Ma 18 (rǔ gěn). Wenn die Ergebnisse nicht zufriedenstellend sind, kann man Di 4 (hè gǔ) und MP  6 (sān yīn jiāo) tonisieren und am Punkt Dü 1 (shào zé) bluten lassen, um qì und Blut zu kräftigen (bǔ yì qì xuè) und die Milchproduktion zu fördern. Auch wenn keine Zeichen von mangelndem qì und Blut zu erkennen sind, ist es dennoch sinnvoll zu tonisieren, denn qì und Blut sind die Quellen der Milchbildung.

Fallbeispiel mangelnde Milchproduktion

Eine 28jährige Frau litt an abnehmender Milchproduktion, nachdem sie sich drei Monate zuvor heftig erregt hatte. Sie hatte Völlegefühle in den Brüsten, keinen Appetit, einen dumpfen Schmerz im Epigastrium, war kurzatmig, schwindlig, hatte Herzklopfen und war allgemein schlapp. Die Zunge hatte einen weißen dünnen Belag, der Puls war versunken und gespannt (chén xián). Sie war bereits mit westlichen und traditionellen Medikamenten ohne Erfolg behandelt worden.

Die Patientin wurde dann nach dem Prinzip akupunktiert, das stagnierende qì als insuffiziente Quelle der Milchbildung zu bewegen, qì zu regulieren und zu stärken und den Magen zu harmonisieren (lǐ qì hé wèi). Pk 5 (jiān shǐ) und Ma 36 (zú sān Iǐ) wurden sedierend akupunktiert, um qì zu regulieren und den Magen zu harmonisieren. Außerdem wurde Di 4 (hè gǔ) tonisiert. Nach drei Behandlungen ging es der Patientin besser.

BLP ONLINE
Akupunktur und Moxibustion von mangelnder Milchproduktion auf der Grundlage der Syndromdifferenzierung

ICM-Master – Finden Sie effektive Kräuterkombinationen in 30 Sekunden!

Testen Sie kostenlos 3-Tage lang die Software und erfahren Sie, wie leicht Phytotherapie sein kann!