Kurzsichtigkeit (Myopie) ist eine sehr häufige Funktionsstörung und wird in der TCM „Furcht vor der Ferne“ genannt. Außer der Korrektur durch eine Brille kennt man keine befriedigende Behandlungsmöglichkeit. Wir haben eine große Zahl von jugendlichen Myopien unter dem Alter von 20 Jahren behandelt. Durch mehrere klinische Studien ist nachgewiesen worden, dass man mit der Pflaumenblütennadel eine erhebliche Besserung der Myopie erzielen kann. Auch wenn man bei schwerer Kurzsichtigkeit die Funktionsstörung nicht heilen kann, so kann man doch in 70 % eine bemerkenswerte Besserung erzielen.

Folgende Punkte werden ausgewählt:

Die Hauptpunkte sind zhèng guāng 1 und 2. Dies sind nach meiner Erfahrung gute Punkte.

Zhèng guāng 1 liegt an der Verbindung der lateralen 3/4 des oberen Orbitarandes, oder in der Mitte zwischen yú yāo und Bl 2 (zǎn zhú) unter dem oberen Orbitarand.

Zhèng guāng 2 liegt an der Verbindung des lateralen 1/4 und medialen 3/4 des oberen Orbitarandes oder in der Mitte zwischen 3E 23 (sī zhú kōng) und yú yāo unter dem oberen Orbitarand.

Zusätzliche Punkte sind Gbl 20 (fēng chí), Pk 6 (nèi guān), oder H 7 (shén mén), LG 14 (dà zhuī), Bl 15 (xīn shù), Bl 18 (gān shù) und Bl 23 (shèn shù).

Zu beklopfende Körperregionen sind der Nacken, das Auge und die Temporalregion. Außerdem wird an tài yáng, Bl 2 (zǎn zhú), Ma 2 (sì bái) und Gbl 20 (fēng chí) beklopft.

Methodik

Es wird jeweils ein Gebiet von 0,5 bis 1,5 cm Durchmesser beklopft, zuerst 20mal, dann mehr und mehr bis zu 40 bis 50mal. Das ganze Gebiet wird gleichmäßig beklopft, nicht nur ein einzelner Punkt.

Es wird in drei Linien lateral der Halswirbel beklopft, wobei die erste Linie 1 cm lateral, die zweite 2 cm lateral und die dritte 4 cm lateral der Wirbelsäule liegt. Zwischen zwei Klopfstellen liegt eine Lücke von 1 bis 2 cm. An beiden Seiten des ersten und zweiten Halswirbels wird eine Akupunkturnadel horizontal eingestochen.

In der Gegend der Augen wird in 3 bis 4 Ringen rund um den oberen und unteren Orbitarand beklopft, dabei benutzt man den Punkt tài yáng als Mittelpunkt und beklopft fächerförmig in 5 bis 6 Linien vorwärts und rückwärts. Auch die Punkte Bl 1 (jīng míng), Bl 2 (zǎn zhú), Ma 2 (sì bái) und tài yáng werden beklopft.

Während man mit der Pflaumenblütennadel klopft, soll man die Kraft aus der Mitte des Handgelenkes nehmen und mit mäßiger Geschwindigkeit; nicht zu schnell und nicht zu langsam klopfen, im Allgemeinen 70 bis 90mal in der Minute.

Bei Kindern und schwachen Patienten wird nur leicht stimuliert. Je nach der Situation des Patienten und seiner Toleranz kann man später die Stimulation steigern. Man kann jeden zweiten Tag behandeln, wobei 15 Behandlungen einen Therapiezyklus bilden. Nach einer Pause von 15 Tagen kann man mit einer neuen Serie beginnen.

Fallbeispiel

Ein 14jähriger Schüler konnte seit drei Jahren entfernt liegende Dinge nur noch verschwommen sehen. Wenn er seine Augen lange Zeit benutzte, bekam er ein Gefühl der Wundheit und Fülle und ermüdete leicht. Er trug seit einem halben Jahr eine Brille, hatte schlechten Appetit, Stuhlgang und Wasserlassen waren normal. Er hatte auf beiden Augen ein Sehvermögen von 0,5. Nach Eintropfen eines Mydriaticums war die Sicht beiderseits 1,5. Er hatte auch einen Astigmatismus von 0,5 beiderseits. Im Bereich der Punkte zhèng guāng fanden sich kleine druckempfindliche Knötchen von der Größe grüner Bohnen. Beiderseits der oberen Halswirbel zeigte sich ein dünner Belag.

Die Punkte zhèng guāng 1 und 2 sowie Gbl 20 (fēng chí) wurden beklopft. Nach fünf Behandlungen besserte sich das Sehvermögen auf 1,0 beidseitig. Nach weiteren acht Behandlungen hatte er 1,5 und konnte alle entfernt liegenden Gegenstände klar sehen. Auch alle anderen Symptome waren verschwunden.

Zusätzlich wurde nun Pk 6 (nèi guān) behandelt und ein weiterer Behandlungszyklus durchgeführt. Er wurde ein Jahr lang regelmäßig nachuntersucht. In der Schule musste er keine Brille mehr tragen. Er massierte sich die Punkte zhèng guāng selbst. 23 Jahre nach seiner ersten Vorstellung wurde er nachuntersucht und hatte ein normales Sehvermögen.

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