Alle führen in gleicher Weise dazu, dass qì und Blut die Augen nicht mehr nähren können. Das Auge sieht dabei normal aus, aber das Sehvermögen ist vermindert und das Gesichtsfeld eingeschränkt. In der Mitte des Gesichtsfelds erscheint ein dunkler Fleck, und im Laufe der Zeit erblindet der Patient. Bei der Fundoskopie sieht der Sehnerv blass aus, und die retinalen Gefäße verengen sich. Der Zungenbelag ist weiß, der Puls schmal und schwach (xì ruò).
Punktauswahl
Zur Therapie wird die Akupunktur des Punktes Gbl 20 (fēng chí) mit der heißen und tonisierenden Methode vorgeschlagen, wobei sich ein heißes Nadelgefühl bis in den Augenfundus ausbreiten soll. Die Nadeln werden nicht liegengelassen.
Außerdem wird der Punkt Bl 1 (jīng míng) von innen akupunktiert: Die Nadel wird langsam eingestochen und zehn Minuten lang liegengelassen. Dabei soll sich ein Hitzegefühl im Auge ausbreiten.
Auch die Punkte Gbl 1 (tóng zǐ liáo), Bl 2 (zǎn zhú) und qiú hòu werden akupunktiert und mit gleichmäßig tonisierenden und gleichmäßig sedierenden Methoden manipuliert. Die Nadeln werden 10 bis 20 Minuten liegengelassen, um den Blutfluss anzuregen und die Sicht zu verbessern (huó xuè míng mù).
Bei Stagnation von qì in der Leber (gān yù qì zhì), Schwindel und nervöser Unruhe werden 3E 23 (sī zhú kōng), yú yāo, Bl 18 (gān shù), Di 4 (hé gǔ) und Gbl 37 (guāng míng) akupunktiert und neutral manipuliert. Die Nadeln werden 10 bis 20 Minuten liegengelassen, um so die Leber zu besänftigen, die Stagnation aufzulösen (shū gān jiě yù) und den Geist zu beruhigen (ān shén).
Bei einem Mangel an ursprünglicher Energie in der Niere (shèn yuán xū sǔn) mit Impotenz, nächtlichen Samenergüssen und allgemeiner Schlappheit akupunktiert man Gbl 19 (nǎo kōng), LG 14 (dà zhuī) und Bl 23 (shèn shù) mit heißer tonisierender Manipulation, wobei die Nadeln nicht liegengelassen werden. Damit wird das ursprüngliche qì der Nieren genährt (bǔ shèn péi yuán), die Essenz gekräftigt und das Sehvermögen gebessert (yì jīng míng mù).
Wenn das Nadelgefühl bei der Akupunktur schnell erreicht wird und sich noch weiter ausbreitet, und die betroffene Seite erreicht, ist das Therapieergebnis besser. Wenn kein Nadelgefühl erreicht werden kann, erzielt man wenig Erfolg.
Behandlungsrhythmus
Es wird einmal täglich behandelt. Zwölf Behandlungen bilden einen Behandlungszyklus und zwischen zwei Zyklen wird eine Pause von drei bis fünf Tagen eingelegt. Bei kurzem Krankheitsverlauf und nur leicht abgeblasster Papille kann man mit befriedigenden Therapieerfolgen rechnen. Bei spätem Therapiebeginn sind die Ergebnisse unzureichend.
Fallbeispiel
Ein 40jähriger Angestellter verlor seit zehn Jahren nach und nach seine Sehkraft. Anfänglich wurde eine Neuritis der Sehnerven diagnostiziert, aber seine Sehkraft verminderte sich sehr schnell, und er konnte bald nur noch die größten Buchstaben in der Zeitung lesen. Dann bekam er eine Erkältung mit Fieber. Im Anschluss daran erschienen ihm alle Buchstaben von gelber Farbe und seine Augen erschöpften sich schnell. Er konnte nur drei bis vier Minuten lang lesen und bekam leicht Kopfschmerzen. Er konnte seine Augen schlecht öffnen und war schnell müde. Erst dann wurde die Atrophie der Sehnerven festgestellt.
Bei der Untersuchung hatte er rechts ein Sehvermögen von 0,3 und links von 0,4. Im Fundus sah man blassgelbe Papillen mit scharfer Begrenzung. Die Fovea zentralis und die retinalen Gefäße erschienen physiologisch. Das Gesichtsfeld war zentral völlig dunkel. Er hatte eine blasse Gesichtsfarbe, die Zunge war an der Wurzel mit einem weißen fettigen Belag belegt, der Puls betrug 68/min und war schwach (ruò) in chǐ-Position.
Die Diagnose lautete: Protrahierte Stagnation von äußerem pathogenem Wind (fēng xié jiǔ yū) mit Blockade von Meridianen (zǔ sè jīng luò), was zur Einschränkung des Sehvermögens geführt hat. Die Behandlung musste den Wind ausleiten, die Verbindungsgefäße aktivieren (qū fēng huó luò) und die Blutzirkulation aktivieren, um so die Sicht zu verbessern (huó xuè míng mù).
Gbl 20 (fēng chí) wurde akupunktiert und nach der Methode shāo shān huǒ (Hitze-erzeugende Manipulation zur Tonisierung bei Kälte-Symptomatik) manipuliert, bis sich ein Gefühl der Hitze im Augenfundus ausbreitete und der Patient zu schwitzen begann. Gbl 7 (qū bìn), Gbl 1 (tóng zǐ liáo) und Bl 2 (zǎn zhú) wurden akupunktiert und neutral manipuliert. Die Nadeln 20 Minuten liegengelassen. LG 14 (dà zhuī) und Bl 23 (shèn shù) wurden in gleicher Weise akupunktiert, aber ohne die Nadeln liegen zu lassen. Diese Punkte wurden 14 Tage lang alternierend einmal täglich akupunktiert.
Seine Sicht verbesserte sich auf links 0,5 und rechts 0,6. Nach 25 Behandlungen waren rechts 0,8 und links 0,7 erreicht. Nach insgesamt 56 Behandlungen verbesserte sich das Sehvermögen auf 0,9 rechts und 0,8 links. Bei der Fundoskopie erschien die Papille nun normal mit gleichmäßigen Rändern und von normaler Farbe rechts und etwas blasserer Farbe links bei normalen retinalen Gefäßen. Der Zungenbelag war dünn und weiß, die Pulsfrequenz betrug 72/min, der Puls erschien gespannt und schmal (xián xì). Die Behandlung wurde nun beendet. Nach einigen Jahren wurde der Patient nachuntersucht, und sein Zustand erschien weiterhin günstig.























































































































































































































































































































































