Nervus-Opticus-Atrophie zeigt sich in zunehmender Verschlechterung des Sehvermögens bis hin zur Erblindung. Der Ort der Erkrankung liegt im Augenhintergrund. Die Pupille wird in der TCM zur Niere gerechnet, während das Schwarze des Auges (die Kornea) zur Leber gehört und mit dem Sehnerv durch Meridiane verbunden ist. Die Niere ist oberflächlich verbunden mit der Blase und fungiert als Mutter der Leber. Die Leber wiederum ist oberflächlich verbunden mit der Gallenblase. Die Behandlung von Erkrankungen des Augenhintergrunds muss sich deshalb auf diese vier Meridiane konzentrieren. Außerdem muss man auch folgende Zusammenhänge beachten: Der Magen ist das Reservoir der Nahrung und Getränke und die Grundlage dafür, dass Blut und qì gebildet werden können. Kräftige Milz und Magen können kräftige innere Organe bilden und die Augen nähren. Damit wird klar, dass die Differenzierung der Syndrome das Entscheidende für die Behandlung ist.

Punktauswahl

a) Nähren von Lunge, Leber und Niere (bǔ yǎng shèn fèi gān), um Blase und Gallenblase zu regulieren (tiáo páng guāng dǎn)

  • Lu 9 (tài yuān)
  • Di 4 (hé gǔ)
  • Gbl 20 (fēng chí)
  • Bl 18 (gān shù)
  • Bl 23 (shèn shù)
  • Bl 58 (fēi yáng)
  • N 3 (tài xī)

b) Nähren des Ursprungs (bǔ yǎng zhēn yuán), um qì und Blut und die Nieren zu tonisieren

  1. Di 4 (hé gǔ)
  2. Ma 36 (zú sān lǐ)
  3. MP 6 (sān yīn jiāo)
  4. Le 3 (tài chōng)
  5. N 7 (fù liū)

c) Nähren von Nieren, Herz, Milz, Magen (bǔ shèn xīn gān pí wèi), Geist, Essenz und Energie (yǎng jīng qì shén)

I. Punktauswahl

  • Gbl 20 (fēng chí)
  • Bl 2 (zǎn zhú)
  • Di 4 (hé gǔ)
  • Ma 36 (zú sān lǐ)
  • MP 6 (sān yīn jiāo)
  • N 7 (fù liū)
  • Le 3 (tài chōng)

II. Punktauswahl

  • Gbl 1 (tóng zǐ liáo)
  • Pk 6 (nèi guān)
  • wàn lǐ (fünf fēn unterhalb von Ma 36 (zú sān lǐ))
  • Le 8 (qū quán)
  • N 3 (tài xī)
  • N 6 (zhào hǎi)
  • N 5 (shuǐ quán).

Die beiden Gruppen von Punkten werden abwechselnd akupunktiert.

Fallbeispiel 1

Ein 19jähriger junger Mann litt seit länger als einem Jahr daran, dass sich sein Sehvermögen verschlechterte. Seit einem Monat wurde dies schlimmer. Seine Augen sahen normal aus, aber sein Visus betrug 0,3 rechts und 0,4 links. Beide Papillen sahen wachsartig und gelb aus mit klarer Begrenzung. Das Gesichtsfeld war konzentrisch um 20 bis 30 Grad geschrumpft, und in beiden Zentren war ein dunkler Fleck in der Mitte. Er hatte außerdem Rückenschmerzen, die in den Brustkorb und in den Rücken strahlten und trockenen Stuhlgang zweimal am Tag. Der Puls war schmal und beschleunigt (xì shuò). Die Diagnose lautete: Grüne Erblindung aufgrund von Mangelzustand in Nieren, Leber und Lunge.

Die Behandlung stützte sich auf das Rezept a, um die Niere, die Leber und die Lunge zu nähren (bǔ yǎng shèn fèi gān) und so Blase und Gallenblase zu regulieren (tiáo páng guāng dǎn). Er wurde akupunktiert und die Nadeln wurden 30 Minuten liegengelassen. Nach sieben Behandlungen besserte sich das Sehvermögen auf beidseitig 0,8, die Papillen des Augenfundus änderten ihre Färbung in rosa. Das periphere Gesichtsfeld war fast normal und das zentrale Skotom schrumpfte auf ein kleines erstgradiges. Auch die anderen klinischen Symptome besserten sich.

Dann wurde das Rezept b angewendet. Auch hier wurden die Nadeln 30 Minuten liegengelassen. Insgesamt wurden 15 Behandlungen durchgeführt. Jetzt erholte sich der Augenhintergrund völlig, die Sicht betrug 1,2 auf beiden Seiten, das periphere Gesichtsfeld war normal und das zentrale Skotom verschwand. Nach drei Monaten waren die Augen völlig normal.

Fallbeispiel 2

Eine 28jährige Frau litt an sich verschlechterndem Visus und zeitweiliger Blindheit nach massiver Blutung während einer Entbindung. Als sie zur Untersuchung kam, sahen die Augen völlig normal aus, aber sie konnte nichts sehen. Die Papillen des Augenfundus waren beidseits klar begrenzt. Es wurde die Diagnose Atrophie des Nervus opticus gestellt. Sie war anämisch, sehr schwach, konnte nicht schlafen, der Appetit war schlecht, sie hatte keine Periodenblutung. Der Puls war schmal, schwach und beschleunigt (xì ruò shuò), die Zunge trocken und rot. Die Diagnose nach TCM lautete: Mangel an yīn, Essenz und Nieren-qì (yīn jīng shèn qì xū shuāi), dadurch entstehende Unterernährung der Augen (mù shī yǎng shī míng).

Die Behandlung musste die Nieren, das Herz, die Leber und Milz und Magen nähren (bǔ shèn xīn gān pí wèi), den Geist, die Essenz und das qì kräftigen (yǎng jīng qì shén).

Die Behandlungsvorschrift c wurde mit beiden Gruppen abwechselnd angewendet, wobei einmal täglich behandelt wurde und die Nadeln 30 Minuten liegengelassen wurden. Nach neun Behandlungen zeigte sich, dass die Sicht rechts 0,1 und links 0,2 betrug. Nach 15 Behandlungen waren beiderseits 0,4 erreicht. Nach 40 Behandlungen war das Sehvermögen beiderseits bis auf 1,0 angestiegen. Die Papillen auf beiden Seiten waren nur noch leicht blass. Zwei Jahre später war das Sehvermögen auf beiden Seiten 1,0, und der Fundus sah normal aus.

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