Zur Behandlung von Harnwegserkrankungen und Nierensteinen werden die Punkte Bl 23 (shèn shū), Bl 22 (sān jiāo shū), KG 3 (zhōng jí), MP 9 (yīn Iíng quán) und Le 3 (tài chōng) ausgewählt und je nach den Syndromen modifiziert:

  • Bei Nierensteinen werden die Punkte Le 13 (zhāng mén), Ma 25 (tiān shū) und Bl 39 (wēi yáng) zusätzlich behandelt.
  • Bei Steinen im Ureter variiert man je nach der Position der Steine: Bl 24 (qì hǎi shū), Bl 25 (dà cháng shū), Ma 26 (wài líng), Ma 27 (dà jù) und Ma 28 (shuǐ dào).
  • Bei Steinen in der Blase und in der Urethra behandelt man die Punkte Bl 28 (páng guāng shū), Bl 33 (zhōng liáo), KG 2 (qū gǔ) und Le 8 (qū quán).
  • Bei chronischen Erkrankungen mit Mangelzustand der Nieren behandelt man zusätzlich die Punkte KG 4 (guān yuán), N 10 (yīn gǔ) und N 3 (tài xī) und moxibustiert, bis die Haut sich rötet.

Manipulationsweise

In der Regel wird durch Drehen und Rotieren der Nadel sedierend manipuliert. Nach dem Einführen der Nadel wird schnell gedreht, um das Nadelgefühl in das betroffene Gebiet zu lenken, oder man stimuliert die Nadel elektrisch, um die Steine nach unten zu treiben. Es wird einmal täglich für 30 Minuten behandelt.

Bei Mangelzuständen der Niere manipuliert man tonisierend und akupunktiert vorsichtig und langsam.

Bei Mangel an yáng in der Niere und Hydronephrose kann man an den Punkten Bl 23 (shèn shū) und KG 4 (guān yuán) schröpfen und so eine lokale Blutansammlung Hervorrufen.

Wenn der Patient anfallsweise schmerzhafte Koliken bekommt, muss man sich darum zuerst kümmern. Man akupunktiert dann nach dem angegebenen Prinzip, führt die Nadeln tiefer ein, manipuliert mit größerer Amplitude und höherer Frequenz, um das Nadelgefühl zu verstärken, und lässt die Nadeln liegen. Auch rezidivierende Schmerzen kann man auf diese Weise behandeln und lindern.

Während der Therapie kann es vorkommen, dass Schmerzen an der Stelle auftreten, an der sich der Stein befindet, und dass diese sich langsam abwärtsbewegen. Das Wasserlassen kann schwieriger werden oder sogar unterbrochen sein. Das sind Anzeichen dafür, dass die Steine ausgeschieden werden. Die Akupunktur kann diesen Prozess beschleunigen.

Zusätzliche Empfehlungen

Der Patient soll viel Wasser trinken: Etwa zwei Liter täglich werden empfohlen, um die Konzentration des Urins zu vermindern. Körperliche Übungen sind auch hilfreich, um die Steine auszutreiben.

Fallbeispiel

Ein 26jähriger Student litt seit mehr als einem Jahr an anfallsartigen Schmerzen im linken Unterbauch. Die Schmerzanfälle waren sehr heftig. Es wurde festgestellt, dass er Steine von der Größe 1 x 0,7 cm im linken Ureter hatte sowie eine Hydronephrose links. Die Behandlung in einem örtlichen Krankenhaus half ihm nicht. Als er zu uns kam, hatte er dumpfe Schmerzen im linken Unterbauch, die Gegend war druckschmerzhaft, und die Beschwerden nahmen bei Bewegung zu. Der Urin war klar und reichlich, manchmal gelb gefärbt. Das Wasserlassen war beschwerlich. Seine Gesichtsfarbe war fahl, und er fühlte sich erschöpft und müde. Der Urin war leicht sauer und enthielt Spuren von Eiweiß und einzelne Erythrozyten.

Diagnose: Nach der Analyse der Syndrome handelte es sich um eine Ansammlung von Nässe-Hitze im Unteren Erwärmer, die sich in Steine umgewandelt hat. Dadurch war auf längere Sicht das yáng der Nieren angegriffen worden. Niere und Blase konnten den Kreislauf des qì nicht mehr beherrschen. So führten die festgesetzten Steine zur Pyelonephritis, Die Behandlung bestand darin, das yáng im Unteren Erwärmer anzuregen und aufzuwärmen, um so Flüssigkeit zu verteilen und die Steine auszutreiben.

Es wurden zwei Gruppen von Punkten ausgewählt:

  1. a) Bl 23 (shèn shū), Bl 32 (cì liáo), Bl 28 (páng guāng shū), Bl 39 (wēi yáng)
  2. b) KG 6 (qì hǎi), KG 4 (guān yuán), Ma 28 (shuǐ dào), MP 9 (yīn Iíng quán), N 6 (zhào hǎi).

Die beiden Gruppen wurden täglich abwechselnd mit tiefer Nadelinsertion akupunktiert. Die Nadeln wurden durch Drehen und Rotieren manipuliert, um den Fluss des qì zu aktivieren. Nach der Akupunktur wurden die Punkte am Rumpf mit der Moxarolle moxibustiert. Nach zehn Behandlungen bekam der Patient eine Anurie und die Schmerzen am Rumpf wurden schlimmer. Das war das Anzeichen für die bevorstehende Ausscheidung der Steine. Es wurde nach demselben Rezept mit stärkerer Manipulation über drei Sitzungen behandelt. Nun bemerkte der Patient ein starkes Völlegefühl im unteren Abdomen, während er Wasser ließ. Ein Stein konnte ausgeschieden werden. Anschließend waren seine Beschwerden beseitigt.

BUCHEMPFEHLUNGEN

MacPherson, Hugh; Kaptchuk, Ted J.

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