Der Hauptpunkt zur Behandlung einer Ptosis des Augenlids ist ein von mir gefundener Punkt mit Namen kuàng shàng, der unterhalb von yú yāo in der Mitte des supraorbitalen Knochens liegt. Man akupunktiert ihn zunächst senkrecht und führt nach dem Erreichen des qì-Gefühls die Nadel im Subkutangewebe in Richtung yú yāo, bis erneut das Nadelgefühl gefunden ist. Dann wird die Nadel 15 bis 20 Minuten lang liegengelassen.

Als zusätzliche Punkte können Bl 2 (zǎn zhú) und 3E 23 (sī zhú kōng) akupunktiert werden. Nach dem Erreichen des qì-Gefühls richtet man die Nadel schräg in Richtung auf den Punkt Gbl 14 (yáng bái) und schiebt sie weiter vor. Wenn das Nadelgefühl wieder erreicht wird, lässt man auch hier die Nadeln 15 bis 30 Minuten lang liegen. Man kann einmal täglich oder an jedem zweiten Tag akupunktieren und richtet sich dabei nach dem Zustand des Patienten.

Fallbeispiel

Ein 36jähriger Arbeiter litt an Ptosis des linken Auges. Im Jahr zuvor hatte er im Frühling eine Gesichtslähmung erlitten, die sich nach Behandlung ein halbes Jahr später zurückgebildet hatte. Nur die Ptosis war unverändert geblieben. Bei der Untersuchung sah man eine leichte Schwellung des linken Oberlids mit Ptosis. Das Auge konnte frei bewegt werden. Er hatte eine rosafarbene Zunge mit fettigem weißem Belag und einen versunkenen und kraftlosen Puls (chén wú lì). Die Diagnose lautete: Mangel an Blut und qì (qì xuè liǎng xū) durch Blockade der Meridiane durch pathogenen Wind (fěng xié zǔ sè jǐng luò).

Die Behandlung bestand in Akupunktur an den Punkten kuàng shàng, Bl 2 (zǎn zhú) und 3E 23 (sī zhú kōng). Es wurde täglich behandelt. Als die Nadeln am vierten Behandlungstag lagen, begann das Oberlid zu zittern. Nach weiteren vierzehn Behandlungen besserte sich der Zustand etwas. Die Behandlung wurde weitere drei Wochen lang weitergeführt, und die Ptosis war anschließend beseitigt. Nach einem weiteren Jahr wurde der Patient nachuntersucht und hatte keinen Rückfall gehabt.

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