Rheumatische Arthritis wird behandelt, indem die Punkte nach dem Krankheitssyndrom ausgewählt werden:
  • Bei wanderndem bì-Syndrom (xíng bì) mit Vorherrschen von Wind nimmt man Gbl 20 (fěng chí) und BI 12 (fěng mén);
  • bei schmerzhaftem bì -Syndrom (tōng bì) mit Vorherrschen von Kälte wählt man LG 14 (dà zhuī) und KG 4 (guān yuán);
  • bei fixiertem bì -Syndrom (zhuó bì) mit Vorherrschen von Nässe nimmt man MP 9 (yīn Iíng quán) und Ma 36 (zú sān Iǐ)
  • Wenn sich krankhafte Stagnation in Hitze verwandelt (rè bì), wählt man Di 4 (hè gǔ) und Di 11 (qū chí).
Man akupunktiert Di 15 (jiān yú) und 3E 14 (jiān liáo) bei Erkrankungen der Schulter, bei Erkrankung des Ellbogens Di 11 (qū chí) und 3E 10 (tiān jǐng), 3E 5 (wài guān) und 3E 4 (yáng chí) bei Erkrankungen des Handgelenkes, Gbl 30 (huán tiào) und Gbl 31 (fěng shì) bei Erkrankungen in Hüfte und Oberschenkel, Ma 35 (dú bí) und LG 19 (hòu dǐng) bei Erkrankungen des Knies, Bl 60 (kūn lún) und Gbl 40 (qiū xū) bei Erkrankungen des Fußknöchels. Bei Erkrankungen des Rückens und der Wirbelsäule behandelt man die huá tuó jiā jǐ-Punkte. Man wählt die Punkte nach der Meridiantheorie je nachdem, wo die Beschwerden sind. Wenn es sich um Stagnationen in den Leitbahnen handelt, lässt man diese bluten. Wenn Sehnen und Muskeln schmerzen und Kälte den Energiefluss behindert, wendet man die heiße Nadel an den Leitbahnen an, oder man kann warm akupunktieren, warm moxibustieren, warme Umschläge machen oder schröpfen. Man sollte die Punkte variieren.

Rheumatische Arthritis: Fallbeispiel

Ein 32-jähriger Bauer klagte über Schmerzen in Knien und Knöcheln, die aufgetreten waren, als er die Beine in kaltes Wasser getaucht hatte, nachdem er geschwitzt hatte. Die Schmerzen verschlimmerten sich bei kaltem Wetter. Im örtlichen Krankenhaus wurde eine rheumatische Arthritis diagnostiziert und er bekam Medikamente und Auflagen, ohne dass sich seine Beschwerden besserten. Seit zwei Wochen hatte sich sein Zustand noch verschlechtert, denn nachdem er sich erkältet hatte, waren die Knie angeschwollen. Bei der Untersuchung konnte er schlecht laufen, die Knie waren geschwollen und fühlten sich heiß an. Um das Knie herum war die Haut gerötet. Die BKS war 50 mm in der ersten Stunde: Herz und Lunge waren bei klinischer Untersuchung ohne pathologischen Befund. Die Zunge war blass mit fettigem weißem Belag. Die Pulse waren schmal und beschleunigt (xì shuò), Pulsfrequenz 90/min. Die Diagnose war: fixiertes bì-Syndrom. Die Behandlung musste die Nässe beseitigen, die Meridiane öffnen und das Blut beleben, um die Schmerzen zu stillen. Folgende Punkte wurden zur Behandlung ausgewählt: MP 9 (yīn Iíng quán) wurde sediert, Ma 35 (dú bí) tonisiert, MP 10 (xuè hǎi) ionisiert, Gbl 40 (qiū xū) genadelt und moxibustiert, Ma 36 (zú sān Iǐ) tonisiert. Nach drei Behandlungen waren die Gelenkschmerzen gelindert, die Schwellung und die Rötung gingen zurück. Die Gelenke konnten wieder frei bewegt werden. Die BKS war 10 mm/Std. Nach einer Unterbrechung von zwei Tagen wurden weitere fünf Behandlungen gegeben. Der Patient konnte sich mit der Moxarolle selber zweimal behandeln. Nach einem Monat ging es ihm gut.
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Akupunkturkombinationen

Syndrombasierte Punktkombinationen für die heutige Praxis

In der westlichen Akupunktur erfolgt die Auswahl von Akupunkturpunkten üblicherweise symptomatisch. Das Wissen um die Punktkombinationen zur Behandlung von Syndromen ist im Westen bislang noch wenig erschlossen. Klassische Punktkombinationen werden in diesem Buch erstmals systematisch nach Syndromen erfasst und in strukturierter Weise für die tägliche Praxis erschlossen.