Akute Rückenschmerzen aufgrund einer Verstauchung im Lumbalbereich können in zwei Erscheinungsformen auftreten: Zum einen mit deutlichen druckempfindlichen Stellen, zum anderen mit Schmerzen nur bei bestimmten Bewegungen. Einige Patienten können sich nicht nach vorne oder nach hinten, andere nicht zur Seite beugen. Man behandelt hier im Wesentlichen an den schmerzhaften Punkten (à shì), ohne die Nadeln liegen zu lassen.

Zusätzlich werden folgende Punkte ausgewählt:

  • Bl 40 (wěi zhōng),
  • Gbl 31 (fěng shì) und
  • Di 4 (hè gǔ) in Richtung Dü 3 (hòu xī) gestochen.

Vorgehen

Zunächst nadelt man die druckempfindlichen Punkte in Bauchlage. Dann kann man schmerzempfindliche Punkte suchen, die erst bei Bewegung aktiv werden. Diese Punkte werden gekennzeichnet und ebenfalls in Bauchlage akupunktiert. Die Nadeln werden bei Fülle-Patienten sedierend manipuliert, bei Mangel-Patienten tonisierend.

Im Allgemeinen werden die Schmerzen sofort gestillt oder wesentlich gelindert. Falls das Ergebnis nicht ausreichend ist, kann man die anderen angegebenen Punkte benutzen. Der Punkt Di 4 (he gü) in Richtung Dü 3 (hòu xī) wird nur bei kräftigen Patienten gestochen. Hier wird eine 3 cun lange Nadel am Punkt Di 4 (hè gǔ) eingestochen und dann auf der palmaren Seite der Hand unter der Haut in Richtung Dü 3 (hòu xī) vorgeschoben, ohne die Haut zu perforieren. Die Nadel wird mit kleiner Amplitude gedreht. An den anderen Punkten nadelt man wie gewöhnlich.

Bei chronischen Fällen wählt man Punkte in der Lumbalregion

  • Bl 23 (shèn shū),
  • Bl 52 (zhì shì),
  • Bl 25 (dà cháng shū),
  • huá tuó jiā jǐ

sowie Punkte im Bereich des Abdomens

  • KG 6 (qì hǎi),
  • KG 4 (guān yuán),
  • KG 9 (shuǐ fěn),
  • Ma 25 (tiān shū),
  • Gbl 26 (dài mài)

sowie Punkte an der unteren Extremität:

  • Bl 36 (chéng fú),
  • Bl 37 (yīn mén),
  • Bl 40 (wěi zhōng),
  • Bl 57 (chéng shān),
  • Gbl 31 (fěng shì) und schmerzhafte Punkte.

Hierbei geht man in folgender Weise vor: Wenn man Punkte auf dem unteren Abdomen oder Bl 25 (dà cháng shū) nadelt, soll das Nadelgefühl zum Fuß geleitet werden. An den Punkten des Abdomens manipuliert man mit Drehen und Rotieren der Nadeln, bis man ein kräftiges Nadelgefühl erreicht hat und wenn möglich ein Hitzegefühl. Insbesondere bei hartnäckigen Fällen sollen die Nadeln lange manipuliert und belassen werden. Das bedeutet, dass sie länger als 40 Minuten liegenbleiben und alle zehn Minuten manipuliert werden, dabei kann das Nadelgefühl im Laufe der Behandlung schwächer werden. Der Patient muss unbedingt warm gehalten werden, während die Nadeln liegen.

Fallbeispiel 1: Rückenschmerzen

Ein 38jähriger Arbeiter hatte sich vor zwei Tagen den Rücken gezerrt, weil er zu schwere Lasten getragen hatte. Er wurde massiert und bekam ein Medikamentenpflaster auf die schmerzenden Stellen, aber diese Behandlung brachte ihm keine Linderung. Er wurde im Stehen behandelt, denn es handelte sich um einen kräftigen Patienten. Zunächst wurde ein empfindlicher Punkt in der beschriebenen Weise genadelt, danach zwei Schmerzpunkte. Anschließend ging es ihm besser.

Fallbeispiel 2: Rückenschmerzen

Eine 52-jährige Arbeiterin klagte seit mehreren Jahren immer wieder über auftretende Rückenschmerzen. Seit einiger Zeit hatte sich ihr Befinden so verschlechtert, dass sie nicht mehr aufrecht stehen konnte. Es wurden deutlich empfindliche Punkte und Schmerzpunkte bei Bewegung gefunden. Sie litt an Schlaflosigkeit, schlechtem Appetit und seit 14 Tagen an Schwäche in den Beinen.

Folgende Gruppen von Punkten wurden ausgewählt:

  1. Bl 23 (shèn shū), Bl 52 (zhì shì), Bl 25 (dà cháng shū), Bl 37 (yīn mén), Bl 40 (wěi zhōng), Bl 57 (chéng shān);
  2. KG 6 (qì hǎi), KG 4 (guān yuán), Ma 25 (tiān shū), KG 9 (shuǐ fěn);
  3. druckempfindliche Punkte und Schmerzpunkte, die bei Bewegung auftraten.

Die beiden ersten Gruppen wurden abwechselnd an jeweils alternierenden Tagen akupunktiert, wobei die Nadeln eine Stunde liegenblieben und alle zehn Minuten durch Drehen manipuliert wurden. Dann wurden die druckempfindlichen Punkte und Schmerzpunkte bei Bewegung genadelt. Nach 15 Behandlungen war die Patientin beschwerdefrei.