Bei chronischen Fällen findet man im Allgemeinen kein Fieber. Hier entwickeln sich die Schlaffheit der Gliedmaßen, die Taubheit und Schwäche allmählich. Die Patienten können sich nicht bewegen, und die Muskeln atrophieren. Bei ganz schweren Verläufen verlieren die Patienten ihre motorischen Fähigkeiten völlig.
Behandlungsprinzip
Indem man nach der alten Regel handelt, dass bei schlaffer Lähmung ausschließlich über die yáng míng-Achse behandelt wird, kann man die Hitze der Lunge klären (qīng fèi rè), die Energie der Lunge ausbreiten (xuān fèi qì), die außerordentlichen Meridiane regulieren (tiáo qí jīng) und die sedierenden Methoden akupunktiert. Im Spätstadium oder Folgestadium wird meistens tonisiert und begleitend moxibustiert.
Punktvorschriften
Im Frühstadium muss die pathogene Hitze geklärt werden. Dazu wählt man Lu 7 (liè quě), Lu 5 (chǐ zé), Di 11 (qū chí) und Di 4 (hè gǔ). Bei hohem Fieber akupunktiert man sedierend an den Punkten Lu 10 (yú jì) oder Lu 11 (shào shāng) mit Blutenlassen.
Bei Lähmungen nach Abklingen des Fiebers akupunktiert man Di 15 (jiān yú), Di 11 (qū chí), Lu 7 (liè quě), Lu 9 (täiyuän), Di 4 (hè gǔ), Di 10 (shǒu sān lǐ) zur Behandlung der oberen Extremitäten; Ma 31 (bì guān), Ma 32 (fú tù), Gbl 31 (fěng shì), Ma 33 (yīn shì), Ma 36 (zú sān Iǐ), Ma 41 (jiě xī), Gbl 34 (yáng líng quán), Gbl 39 (jué gǔ) und Gbl 30 (huán tiào) zur Behandlung der unteren Extremitäten.
Wenn auch die Muskulatur des Bauches erschlafft ist, akupunktiert man Punkte auf dem Konzeptionsgefäß, auf dem Milzmeridian und Magenmeridian: KG 6 (qì hǎi), KG 4 (guān yuán), MP 15 (dà héng) und Ma 30 (qì chōng). Für die Muskulatur des Rückens und Unterleibes akupunktiert man LG 14 (dà zhuī), Bl 11 (dà zhù), Bl 23 (shèn shū), LG 4 (mìng mén), Bl 25 (dà cháng shū), LG 3 (yāo yáng guān) und die huá tuó jiā jǐ-Punkte, die zu dem Lungen-, Milz- und Nierenmeridian gehören.
Bei nach außen gewölbtem Fuß (Strephexopodia) wird am Punkt N 6 (zhào hǎi) tonisierend und am Punkt Bl 62 (shěn mài) sedierend manipuliert. Bei nach innen gewölbten Fuß (Strephenopodia) wird die Manipulation umgekehrt.
Es wird nur einmal täglich akupunktiert. Zehn Behandlungen bilden einen Therapiezyklus.
Fallbeispiel
Eine 32jährige Frau litt an Tremor in den Beinen, so dass sie nicht mehr gehen konnte. Außerdem klagte sie über Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. All dies trat auf, nachdem sie zweimal in zwei aufeinanderfolgenden Jahren durch herabfallende Gegenstände schwer am Kopf verletzt worden war und im Koma gelegen hatte. Im Jahr nach dem letzten Unfall kam sie in unsere Behandlung.
Bei der Untersuchung konnte die Patientin nicht auf ihren Füßen stehen. Die Sensibilität in ihren Füßen war vermindert, die Muskeln des Oberschenkels und der Gastrocnemius waren atrophisch. Sie konnte die Nase mit ihren Fingern nicht genau treffen. Sie litt an Verstopfung. Die Zunge war blass, mit fettigem weißem Belag, die Pulse waren weich und schmal. Im EEG sah man keinen pathologischen Befund.
Es handelte sich hier um einen Folgezustand nach Schädelhirntrauma. Das Lenkergefäß war verletzt und der See des Markes leer, die Knochen waren unterernährt. Die Behandlung musste darin bestehen, das Lenkergefäß zu tonisieren (bǔ dū), das Mark zu nähren (yì suí), um so die yáng míng-Meridiane zu regulieren (hé tiáo yáng míng).
Folgende Punkte wurden ausgewählt: Skalpnadeln am Punkt Gleichgewicht, Bl 23 (shèn shū), LG 3 (yāo yáng guān), Bl 54 (zhì biān), Ma 31 (bì guān), Ma 32 (fú tù) in Richtung Gbl 31 (fěng shì), Ma 36 (zú sān Iǐ), Gbl 34 (yáng líng quán), Gbl 39 (jué gǔ), sì guān (die vier Himmelspunkte: Di 4 und Le 3), Pk 6 (nèi guān), Dü 3 (hòu xī) und N 6 (zhào hǎi).
Die Patientin wurde dreimal pro Woche akupunktiert, zehn Behandlungen bildeten einen Therapiezyklus, dann wurde eine Woche Pause eingelegt. Das Zittern in ihren Beinen besserte sich nach dem ersten Therapiezyklus, und die Patientin konnte mit Hilfe einige Schritte gehen. Nach dem zweiten Zyklus konnte sie stabiler stehen und mit Hilfe eines Stockes gehen. Nach dem dritten Zyklus konnte sie bereits 30 Meter weit gehen. Nach dem vierten Zyklus besserte sich auch die Muskelatrophie, und das Gehen fiel ihr leichter.























































































































































































































































































































































