Zur Akupunktur von Schmerzen im Hypochondrium durch Verteilung von Qi und Blut (shū tiáo qì xuè) werden üblicherweis Punkte auf dem Gallenblasenmeridian (Fuß shào yáng) und dem Lebermeridian (Fuß jué yīn) verwendet. Diese Auswahl gründet sich auf folgende Prinzipien:
  • Den Ort behandeln, an dem der Meridian verläuft,
  • Punktauswahl nach der Meridiantheorie.
  • Akupunktur der róng-Punkte und shū-Punkte zur Behandlung äußerlicher Erkrankungen und der hé-Punkte zur Behandlung innerlicher Erkrankungen.
Zur Regulation des Blut-qì sedierenden und tonisierenden Manipulationen kombiniert, um so den Fluss des qì zu erleichtern (lì qì jī), die stagnierende Energie der Leber zu zerstreuen (shū xiè gān yù), den Blutfluss zu beleben (huó xuè), die Blutstase umzuwandeln (huà yū) und die Schmerzen zu stillen (zhī tòng). Außerdem kann man auch durch tiefes Stechen von Gbl 40 (qiū xū) in Richtung N 6 (zhào hǎi) tiefliegende pathogene Faktoren beseitigen. Auf diese Weise können sogar Schmerzen, die aufgrund einer Leberschwellung entstehen, sofort gelindert werden.

Fallbeispiel

Ein 67jähriger Mann hatte seit drei Monaten Schmerzen im rechten Hypochondrium. Diese Schmerzen waren dadurch entstanden, dass er sich durch eine heftige Erregung überlastet hatte. Er konnte nicht liegen oder seinen Körper drehen. Atmung und Husten verschlimmerten die Schmerzen. Lokale und systemische Anwendung von traditionellen und westlichen Medikamenten hatten ihm keine Linderung gebracht. Bei der Untersuchung fand sich eine deutliche Druckempfindlichkeit im fünften und sechsten Zwischenrippenraum sowie ein gespannter und schlüpfriger Puls (xián huá). Die Zunge war rot und hatte einen dünnen gelben Belag. Die Diagnose lautete: Gegensätzlicher Fluss des qì nach einem Wutanfall und Stagnation der Leberenergie nach Überlastung. Die Behandlung bestand darin, die Energie der Leber und Gallenblase zu zerstreuen (shū xiè gān dǎn). Hierzu wurden die Punkte 3E 6 (zhī gōu), Gbl 34 (yáng líng quán) und Le 2 (xíng jiān) ausgewählt. Diese Punkte wurden auf der rechten Seite mit sedierender Manipulation gestochen. Außerdem wurde an den empfindlichen Stellen geschröpft. Nach der Akupunktur war die Atmung sanft, die Schmerzen waren gestillt, die normalen täglichen Aktivitäten konnten ausgeführt werden. Nur eine Akupunktursitzung reichte aus, um dieses therapeutische Ergebnis zu erreichen. Zwei Jahre später hatte der Patient einen Rückfall und bekam erneut Schmerzen nach Überanstrengung. Der Charakter der Schmerzen war ebenso wie beim ersten Mal und er hatte ein Völlegefühl in der rechten Brust. Der Puls war gespannt und schmal (xián xì), die Zunge rosafarben mit weißem Zungenbelag. Diesmal war die Diagnose: qì-Mangel und Verletzung durch Überanstrengung (qì xū láo shāng). Die Behandlung bestand darin, die Energie der Leber zu verteilen und qi zu regulieren (shū gān lǐ qì). Die Punkte Pk 6 (nèi guān), Gbl 34 (yáng líng quán) und Le 3 (tài chōng) wurden ausgewählt und auf der rechten Seite sedierend manipuliert. Außerdem wurde auf der rechten Seite Gbl 40 (qiū xū) in Richtung N 6 (zhào hǎi) gestochen. Die Schmerzen hörten sofort auf. Der Patient wurde noch einmal untersucht und in der gleichen Weise behandelt. Anschließend hatte er bei keiner Nachuntersuchung ähnliche Beschwerden angegeben.
Akupunktur von Schmerzen im Hypochondrium durch Verteilung von Qi und Blut (shū tiáo qì xuè) mit Betonung der Manipulationstechniken