Spermatorrhö vom Fülle-Typ
Bei Spermatorrhö (nächtliche Samenergüsse) während Traumphasen erigiert der Penis leicht. Der Patient ist nervös, leidet an Schwindel und Tinnitus, hat meist ein gerötetes Gesicht, einen bitteren Geschmack im Mund, Völlegefühl in der Brust, eine rote Zunge mit fettigem gelbem Belag, einen spärlichen und dunkelgefärbten Urin, der Puls ist beschleunigt (shuò). Dies wird meist verursacht durch Aufflammen des königlichen und ministeriellen Feuers (jūn xiàng huǒ wàng), mit nach unten fließender Nässe-Hitze (shī rè xià zhù), die das Tor des Samens stört (rǎo dòng jīng guān).
Bei Fülle-Typen liegt die wesentliche Behandlung im Durchgängigmachen (tōng) und Ableiten (xiè). Das pathologische Feuer in Herz und Leber muss geklärt werden (qīng xiè xīn gān huǒ xié), das Tor der Nieren muss reguliert werden (tiáo chàng shèn guān). Dazu benutzt man Punkte auf den Meridianen des Herzens, der Leber und auf dem Konzeptionsgefäß.
Folgende Punkte werden ausgewählt:
H 7 (shén mén), Le 3 (tài chōng), Gbl 34 (yáng líng quán), MP 6 (sān yīn jiāo) und KG 3 (zhōng jí).
An den Punkten H 7 (shén mén), Le 3 (tài chōng) und Gbl 34 (yáng líng quán) wird mit dünnen Nadeln akupunktiert und mit Drehen und Rotieren sedierend manipuliert.
An den Punkten MP 6 (sān yīn jiāo) und KG 3 (zhōng jí) wird neutral manipuliert, dabei soll das Nadelgefühl von KG 3 (zhōng jí) bis in den Penis ziehen.
Der Punkt H 7 (shén mén) vermindert das Feuer im Herzen und stellt die Verbindung zwischen Herz und Nieren wieder her (jiàng xīn huǒ,jiāo tōng xīn shèn).
Le 3 (tài chōng) reguliert die Energie der Leber (tiáo gān qì) und Gbl 34 (yáng líng quán), vermindert die Nässe-Hitze in Leber und Gallenblase (xiè gān dǎn shī rè).
Der Punkt MP 6 (sān yīn jiāo) reguliert die Energie der Milz (jiāo lǐ pí qì) und die Essenz (tiáo yīn), und kann so den Samen regenerieren.
KG 3 (zhōng jí) reguliert auch den Fluss des chōng rèn-Meridians in den Unteren Erwärmer (lǐ chōng rèn shū xià jiāo) und regiert die Funktion der Niere.
Die Kombination dieser Punkte kann die Verbindung zwischen Herz und Nieren wiederherstellen (jiāo tōng xīn shèn), das Feuer vermindern (jiàng huǒ), und den Samen regulieren, so dass die nächtlichen Samenergüsse aufhören (tiáo gù shèn jīng ér zhǐ yí).
Spermatorrhö vom Mangel-Typ
Beim Mangel-Typ findet man Samenverluste in der Nacht, die unabhängig von Traumphasen auftreten. Außerdem hat der Patient eine fahle Gesichtsfarbe, fühlt sich erschöpfbar, vergesslich, hat Schlafstörungen, eine blasse Zunge mit weißem Belag und einen schwachen Puls (ruò).
Die Diagnose lautet dann: Mangel in der Niere, so dass diese den Samen nicht halten kann (shèn xū bù zang). Die Behandlung muss die Niere stärken und das ursprüngliche qì kräftigen (bǔ shèn péi yuán), so dass das Tor des Samens geschlossen gehalten werden kann (gù shè jīng guān). Hier werden Punkte auf dem Nierenmeridian und dem Konzeptionsgefäß ausgewählt.
Folgende Punkte werden gewählt:
KG 4 (guān yuán), Bl 52 (zhì shì), Bl 23 (shèn shū) und Ma 36 (zú sān Iǐ).
Man akupunktiert mit dünnen Nadeln und tonisiert mit Manipulation entlang der Meridiane. Die Nadeln werden entlang dem Meridian akupunktiert. Nach Ankunft des Nadelgefühls wird die Nadel noch 0,5 fěn vorgeschoben und dann zehn Minuten liegengelassen. Wenn die Nadel gezogen wird, soll man das Loch sofort verschließen. Bei Patienten mit Kältegefühl kann man noch fünf bis zehn Minuten moxibustieren.
Der Punkt KG 4 (guān yuán) kann das ursprüngliche qì des Körpers regulieren (tiáo rén tǐ yuán qì).
BI 52 (zhì shì) festigt und schließt das Tor des Samens (gù shè jīng guān).
Bl 23 (shèn shū) tonisiert die Nieren (bǔ shèn).
Ma 36 (zú sān Iǐ) stärkt Milz und Magen, damit die Essenz wieder gebildet werden kann (jiàn pí chōng huà yuán).
Nach der Akupunktur wird moxibustiert, um das yáng der Nieren zu wärmen (wěn bǔ shèn yáng).
Fallbeispiel
Ein 28jähriger Mann hatte seit drei Monaten nächtliche Samenergüsse. In jedem Monat bemerkte er drei- bis viermal nächtliche Erektionen mit Samenabgang. Dabei hatte er einen bitteren Geschmack im Mund, ein explosives Temperament, der Urin war gelb, die Zunge rot mit dünnem gelbem Belag, der Puls war gespannt und beschleunigt (xián shuò).
Die Diagnose lautete: Stagnierendes Feuer im Lebermeridian (gān jīng yù huǒ), Störung im Tor des Lebens (rǎo dòng jīng guān). Die Behandlung musste das Feuer in der Leber sedieren (xiè gān huǒ) und das Tor der Nieren regulieren (tiáo shèn guān).
Le 3 (tài chōng), Gbl 34 (yáng líng quán), MP 6 (sān yīn jiāo) und KG 3 (zhōng jí) wurden mit dünnen Nadeln akupunktiert. An allen Punkten wurden die Nadeln 30 Minuten liegengelassen. In dieser Zeit wurden die Nadeln alle zehn Minuten manipuliert durch Drehen und Rotieren der Nadeln. Am Punkt KG 3 (zhōng jí) wurde das Nadelgefühl in den Penis geleitet. Nach vier Behandlungen fühlte der Patient sich besser.























































































































































































































































































































































