Wir unterscheiden Spermatorrhö während Traumphasen und Spermatorrhö mit spontanen Samenergüssen.
Spermatorrhö während Traumphasen
Spermatorrhö während Traumphasen (nächtliche Samenergüsse) werden meist durch unerwiderte Liebe verursacht. Man bezeichnet das Herz als königliches Feuer (jūn huǒ) und die Niere als ministerielles Feuer (xiàng huǒ). Überschuss an Libido lässt das königliche Feuer aufflammen und gleichzeitig steigt auch das ministerielle Feuer auf. Dadurch wird die Verbindung zwischen Herz und Nieren, also Feuer und Wasser, unterbrochen, und dies führt zu Samenergüssen. Es können mehrere Samenergüsse in einer Nacht oder einmal innerhalb mehrerer Nächte stattfinden.
Weitere Symptome können sein: Geistesabwesenheit, schwache Gliedmaßen, Wundheitsgefühl im Rücken und in der Taille, Tinnitus, Schwindel, Vergesslichkeit, eine rote Zunge, ein schmaler und beschleunigter Puls (xì shuò).
Die Behandlung muss das Herz klären, um den Samen zu festigen (qīng xīn gù jīng). Dabei müssen Herz und Niere gleichzeitig behandelt werden.
Folgende Punkte werden dazu ausgewählt:
- Bl 15 (xīn shū), um das Herz zu beruhigen (xiè xīn níng zhì). Bl 23 (shèn shū) und N 1 (yǒng quǎn) sollen die Niere tonisieren und den Samen festigen (bǔ shèn yì jīng).
- KG 4 (guān yuán) soll das ursprüngliche qì des Unteren Erwärmers festigen und den Mangel auffüllen (bǔ xū ér gù xià yuán).
- MP 6 (sān yīn jiāo) tonisiert Leber, Milz und Nieren (bǔ gān, pí, shèn zhi bù zú).
Benutzt man diese Punkte gemeinsam, kann man den Samen festigen und qì und Blut bilden. Außer
Bl 15 (xīn shū) werden alle Punkte tonisierend manipuliert. Es wird jeden Tag oder jeden zweiten Tag behandelt. Sieben Behandlungen bilden einen Behandlungszyklus.
Spermatorrhö mit spontanen Samenergüssen
Spermatorrhö mit spontanen Samenergüssen werden verursacht durch unerwiderte Liebe, übermäßige sexuelle Aktivität oder Masturbation. Dies führt zu Mangel in der Niere (shèn yuán kuī sǔn) und Auslaufen der Samenflüssigkeit. Der Samenverlust kann nachts oder auch tags passieren, einmal täglich oder auch mehrmals. Meistens haben die Patienten eine fahle Gesichtsfarbe, sind schlapp und schwindlig, haben Ohrgeräusche und fühlen sich schwach im Leib und im Rücken. In chronischen Fällen kommt es zu Nachtschweiß, periodischem Fieber und manchmal sogar zur Schwindsucht mit blasser Zunge und weißem Zungenbelag. Dann ist der Puls versunken und schwach (chén ruò). Die Behandlung muss den Samen festigen, das qì stärken (gì jīng yì qì) und den Allgemeinzustand verbessern.
Folgende Punkte werden dazu gewählt:
- Bl 43 (gāo huāng shū) und Bl 23 (shèn shū) tonisieren die Niere und stärken das qì (bǔ shèn yì qì).
- KG 3 (zhōng jí) festigt den Samen und behandelt den Verbrauch des ursprünglichen qì (gù jīng ér zhì xià yuán xū sǔn).
- MP 6 (sān yīn jiāo) tonisiert die drei yīn-Meridiane besonders bei Mangelsituationen (bǔ sān yīn zhi bù zú).
- Ma 36 (zú sān Iǐ), der Konvergenzpunkt des Magenmeridians, stärkt die Gesundheit (bǎo jiàn).
Benutzt man alle Punkte miteinander, wird die Niere tonisiert, der Samen gefestigt und die Gesundheit gestärkt. Alle Punkte werden tonisierend manipuliert. Außerdem werden drei Moxakegel am Nadelschaft angebracht. Es wird jeden Tag oder jeden zweiten Tag behandelt. Sieben Behandlungen bilden einen Zyklus.
Fallbeispiel 1
Ein unverheirateter 24jähriger Mann hatte seit vier Jahren alle zwei bis drei Nächte Samenergüsse während der Traumphasen, manchmal auch zweimal in der Nacht. Er wurde wie oben beschrieben behandelt und fühlte sich nach zwölf Behandlungen besser. Auch bei der Nachuntersuchung nach einem Jahr fühlte er sich weiterhin wohl.
Fallbeispiel 2
Ein unverheirateter 21jähriger Mann hatte masturbiert und bekam spontane Samenergüsse seit zwei Jahren. Diese traten täglich oder sogar mehrmals täglich auf. Er wurde wie oben behandelt. Nach einer Pause von sieben Tagen wurde jeweils ein neuer Zyklus begonnen.Insgesamt bekam er vier Behandlungszyklen. Anschließend hatte er keine spontanen Samenergüsse mehr. Er wurde angewiesen, mit jeweils fünf Moxakegeln über den Punkten KG 4 (guān yuán) und Ma 36 (zú sān Iǐ) zu moxibustieren. Nach drei Jahren wurde er nachuntersucht und fühlte sich weiterhin wohl.