Bei Patientinnen mit unregelmäßiger Menstruation (Metrorrhagie) (auch bei Männern mit Erkrankungen des Perineums) gibt es am unteren Rücken schmerzhafte Punkte, die druckempfindlich und verspannt sind. Man findet sie im Bereich zwischen den Punkten BI 26 (guān yuán shū), Bl 31 (shàng liào), Bl 30 (bái huán shū) und Bl 34 (xià liáo). Die meisten entzündlichen Erkrankungen im Becken und die Cystitis zeigen Veränderungen entlang der Linie von Bl 26 (guān yuán shū) bis Bl 30 (bái huán shū), bei Erkrankungen des Uterus und seiner Anhangsgebilde tastet man Veränderungen bei Bl 32 (cì liáo) und Bl 31 (shàng liào) oder in der Mittellinie des Sakrum. Diese Punkte sind nicht nur diagnostisch wichtig, weil ihr Vorhandensein auf Erkrankungen im Becken hindeutet, sondern sie sind auch bei der Behandlung wirksam. Es werden dazu die am meisten druckempfindlichen Punkte ausgewählt. Zuerst massiert man einen Punkt mit dem Daumen und akupunktiert ihn dann mit sedierender Manipulation, wobei einmal alle zehn Minuten manipuliert wird und die Nadel 30 Minuten liegengelassen wird. Nachdem die Nadeln gezogen wurden, schröpft man am Punkt für zehn Minuten. Man kann auch an diesen Punkten an jedem zweiten Tag bluten lassen, bis sie nicht mehr druckempfindlich sind. Im Allgemeinen benötigt man nur vier bis sechs Behandlungen. Nach einer Pause von einer Woche kann man mit einer weiteren Behandlungsserie beginnen.

Unregelmäßige Menstruation: Fallbeispiel

Eine 25jährige Funktionärin hatte seit ihrer Menarche im Alter von 14 Jahren unregelmäßige Blutungen. Ihre Periode begann entweder eine Woche vor dem erwarteten Termin oder zehn Tage danach. Vor Beginn der Blutung war sie matt und hatte allgemeine Gelenkschmerzen. Sie war müde und appetitlos und hatte Bauchschmerzen. Alle Symptome verschwanden nach dem Beginn des Blutflusses. Die Periode dauerte fünf bis sechs Tage. Sie hatte keine Kinder, obgleich sie seit zwei Jahren verheiratet war. Alle Beschwerden kehrten monatlich wieder. Sie wurde in einem Krankenhaus untersucht, aber man konnte nichts Pathologisches finden. So nahm man an, dass es sich um eine endokrine Dysfunktion handelte. Medikamente hatten ihr bisher nicht geholfen. Bei der Untersuchung fanden wir einen schmalen und rauen Puls (xì sè), die Zunge war dunkelfarbig mit weißem dünnem Belag und Zahneindrücken an beiden Seiten sowie Petechien. Ihr Gesicht war fahl, die Augenhöhlen bläulich. Druckempfindlichkeiten fanden sich an den Punkten Bl 18 (gān shū) und Bl 17 (gé shū). Am Punkt Bl 32 (cì liáo) waren druckschmerzhafte harte Knoten von Bohnengröße zu tasten. Auf der linken Seite war auch MP 6 (sān yīn jiāo) druckschmerzhaft. Die Diagnose lautete: Mangel an Blut und Blutstase (xuè xū xuè yū). Die Behandlung musste die Blutzirkulation anregen und die Stase beseitigen (huó xuè jiā yū). Folgende Punkte wurden ausgewählt: Bl 20 (pí shū), Bl 17 (gé shū), Bl 18 (gān shū), Bl 23 (shèn shū), MP 6 (sān yīn jiāo), Bl 32 (cì liáo) und Dü 6 (yǎng lǎo). Alle Punkte wurden akupunktiert und neutral manipuliert. Die Nadeln wurden dreißig Minuten liegengelassen und alle zehn Minuten manipuliert. Am Punkt Bl 32 (cì liáo) rechts wurde auch geschröpft. Nach dem Herausziehen der Nadel wurde etwas dunkles Blut abgelassen. Nach zehn Behandlungen wurde eine Woche Pause eingelegt und dann eine weitere Serie begonnen. Nach drei Therapiezyklen waren ihre Schmerzen während der Periodenblutung gelindert, und die Periode war regelmäßiger. Die Knoten waren ebenfalls verschwunden. Dann wurden die Punkte Bl 18 (gān shū), Bl 23 (shèn shū) und MP 6 (sān yīn jiāo) akupunktiert und mit sechs Moxakegeln bei liegender Nadel moxibustiert. Nach vier weiteren Behandlungszyklen fühlte die Patientin gesund.