Man unterscheidet drei unterschiedliche Arten von unregelmäßiger Menstruation:
  • Bei dem vorzeitigen Typ beginnt die Periodenblutung sieben bis acht Tage vor dem erwarteten Termin, oder sogar einmal in zwei Wochen.
  • Bei dem verspäteten Typ beginnt sie eine Woche zu spät oder sogar nur einmal in 40 bis 50 Tagen.
  • Die unregelmäßige Menstruation im engeren Sinne besteht aus kurzen und langen Zyklen.

Unregelmäßige Menstruation vom vorzeitigen Typ

Bei dem ersten Typ liegt die Ursache meistens in Hitze im Blut und Mangel an qì (xuè ré qì xū), dadurch wird das Blut zu früh nach außen getrieben (rè pò xué xíng). Das ist ein Überschusssyndrom und muss so behandelt werden, dass die Hitze geklärt und das Blut gekühlt wird (qīng rè liáng xuè). Außerdem muss bei Mangel an qì dieses gestärkt und die Milz genährt werden (bǔ yì pí xuè), das ist sehr wichtig. In jedem Fall ist die Regulierung des Verhältnisses von Durchdringungsgefäß zum Konzeptionsgefäß erforderlich (tiáo chōng rèn ér mài).

Hauptpunkte

  • Bl 23 (shèn shū): Die Niere steht in Verbindung mit dem Uterus, wo sowohl das Konzeptionsgefäß als auch das Durchdringungsgefäß entspringen.
  • KG 4 (guān yuán): Dies ist der Kreuzungspunkt des Konzeptionsgefäßes mit den drei yīn-Leitbahnen.
  • MP 6 (sān yīn jiāo): Dies ist der Kreuzungspunkt der Leitbahnen von Leber, Milz und Niere.
Wenn man diese drei Punkte miteinander kombiniert und tonisierend akupunktiert, kann man die Hitze in diesen drei Meridianen klären (qīng sān jīng zhi rè) und yīn nähren (yǎng yīn).

Zusätzliche Punkte

  • Bei Hitze im Blut werden auch die Punkte Le 3 (tài chōng) und Bl 18 (gān shū) sedierend akupunktiert, um die Leber zu klären und ihre Stagnation zu beseitigen (qīng gān jiě yù).
  • Bei Mangel an qì kann man zusätzlich Bl 20 (pí shū) und KG 6 (qì hǎi) akupunktieren, um so qì zu tonisieren und die Milz zu stärken (yì qì jiàn pí).
Bei zu frühem Beginn der Menstruation muss man mit der Behandlung am zweiten Tag der Periodenblutung beginnen. Das Nadelgefühl muss von den Rücken-shū-Punkten in die Taille, die Oberschenkel und in das Hypochondrium hineinziehen. Man muss die Nadeln nicht liegenlassen. Das Nadelgefühl an den Punkten KG 4 (guān yuán) und KG 6 (qì hǎi) soll ins Perineum ziehen, von MP 6 (sān yīn jiāo) soll es ins Bein und ins Knie ziehen. Le 3 (tài chōng) wird zum Bluten gebracht. Es wird jeden zweiten Tag behandelt bis zu 17 Tage nach der Periodenblutung. Dann wird die Akupunktur an den abdominalen Punkten eingestellt, und Di 4 (hè gǔ) und N 3 (tài xī) werden akupunktiert, um qì zu stärken und yīn zu nähren (yì qì yǎng yīn).

Unregelmäßige Menstruation vom verspäteten Typ

Bei verspätet eintretender Menstruation handelt es sich meistens um Mangel an Blut und Kältestagnation (xuè xū hán níng) oder Stagnation von qì verbunden mit Blutstase (qì zhì xuè yū). Bei Mangel an Blut und Kältestagnation (xuè xū hán níng) muss die Behandlung die Leitbahnen wärmen und so Kälte austreiben (wěn jīng sàn hán) und das Blut nähren, um so die Menstruation zu regulieren (yǎng xuè tiáo jīng). Bei qì-Stagnation mit Blutstase muss man das qì antreiben und die Blutzirkulation aktivieren (xíng qì huó xuè). Weil qì der Meister des Blutes ist (qì wéi xuè shī), kann sein freier Fluss auch das Blut bewegen (qì xíng zè xuè xíng). Blut gerinnt, wenn es in die Kälte kommt, und fließt schneller, wenn es mit Hitze in Berührung kommt. Daher muss man unbedingt das yáng-qì wärmen (wěn yáng). Die wichtigen Punkte für die Behandlung der unregelmäßigen Menstruation vom verspäteten Typ sind
  • KG 17 (dàn zhōng), KG 6 (qì hǎi) und KG 3 (zhōng jí): KG 17 (dàn zhōng) ist ein Kreuzungspunkt, und wenn er mit KG 6 (qì hǎi) kombiniert wird, wird die Funktion des Unteren Erwärmers reguliert (tiáo Iǐ shàng xià jiāo qì huà), wird KG 3 (zhōng jí) hinzugefügt, reguliert man das Konzeptionsgefäß und verbindet zum Uterus (tiáo rèn mài tōng bāo gōng). Dadurch wird qì bewegt, die Blutstase umgewandelt (xíng qì huà yū), und die Menstruation kann normal fließen.
  • MP 8 (dì jī), MP 6 (sān yīn jiāo): MP 8 (dì jī) ist ein Grenzpunkt (xī), der, wenn er mit MP 6 (sān yīn jiāo) (alternierend rechts und links akupunktiert) kombiniert wird, das Blut und yīn nährt (zī yīn yǎng xuè).
  • Le 2 (xíng jiān): Dieser Punkt kann die Leber besänftigen und Stagnation eliminieren (shū gān jiě yù).
Am Punkt KG 17 (dàn zhōng) wird horizontal akupunktiert, wobei die Nadel nach unten weisen soll. Zur Tonisierung von KG 6 (qì hǎi) und zur Sedierung von KG 3 (zhōng jí) wird senkrecht akupunktiert, wobei das Nadelgefühl sich ins Perineum ausbreiten soll. Bei Kältesyndromen werden diese beiden Punkte auch moxibustiert. MP 8 (dì jī) und MP 6 (sān yīn jiāo) werden sedierend akupunktiert, wobei das Nadelgefühl sich in die Beine bis zum Knie ausbreiten soll. Le 2 (xíng jiān) wird auch sedierend akupunktiert. Diese Punkte werden vom Tag 13 bis 15 des menstruellen Zyklus beginnend akupunktiert bis zum 25. oder 26. Tag. Einige Male kann man zusätzlich Bl 54 (zhì biān) in Bauchlage akupunktieren, wobei man eine 4 cun lange Nadel benutzt und sie senkrecht 3,5 cun tief einsticht. Durch Heben und Senken der Nadel wird das Nadelgefühl in den Unterbauch gelenkt, so dass ein Gefühl wie bei der Periode entsteht. Die Akupunktur soll nicht länger als eine Minute bei jeder Behandlung dauern. Während der Periodenblutung soll man nicht akupunktieren.

Unregelmäßige Menstruation im eigentlichen Sinne

Bei im eigentlichen Sinne unregelmäßiger Periodenblutung liegt die Ursache meist in einer Beeinträchtigung der Regulierung von qì und Blut (qì xuè shī tiáo) und in einer Störung des Verhältnisses von Konzeptionsgefäß und Durchdringungsgefäß (chōng rèn sǔn shāng). Die Behandlung muss darin bestehen, das qì der Milz aufzufüllen (yì pí qì), yīn und Blut zu nähren (yǎng yīn xuè) und das Verhältnis von Konzeptionsgefäß und Durchdringungsgefäß zu regulieren (tiáo chōng rèn). Dabei ist das letztere das wichtigere Behandlungsprinzip. Die folgenden Punkte werden ausgewählt:
  • KG 4 (guān yuán): Dies ist der Punkt, an dem das Durchdringungsgefäß beginnt, daher kann man mit Akupunktur den Uterus, Konzeptionsgefäß und Durchdringungsgefäß harmonisieren. Außerdem ist er der Kreuzungspunkt von Konzeptionsgefäß und den drei yīn-Meridianen des Fußes und von daher einer der wichtigen Punkte zur Regulierung der Menstruation.
  • KG 6 (qì hǎi): Dieser Punkt reguliert den Fluss der Energie im ganzen Körper. Das Blut kann nur dann fließen, wenn genug qì vorhanden ist (qì chōng zé néng tǒng xué).
  • Bl 17 (gé shū): Dieser Punkt ist der Sammlungsort des Blutes (xuè huì). Tonisiert man dort, dann nährt man das Blut und füllt so auch das yīn in Leber und Nieren auf (zī gān shèn zhi yīn).
  • Ma 36 (zú sān Iǐ): Dies ist der Kreuzungspunkt des Magenmeridians und das Reservoir für die Nahrungsenergie (shuǐ gǔ zhi hǎi). Kombiniert man diesen Punkt mit Bl 21 (wèi shū), stärkt man Milz und Magen (jiàn pí wèi), unterstützt die Mitte (zhù zhōng jiāo) und damit die Quelle der Produktion und Umwandlung von qì und Blut (yì qì xuè shěng huà zhi yuán).
  • Bl 23 (shèn shū) und N 3 (tài xī): Durch Akupunktur an diesen Punkten kann man zusätzlich die vorgeburtliche Wurzel festigen (gù xiān tiān zhi běn). So kann die Nierenenergie Konzeptionsgefäß und Durchdringungsgefäß festigen und die Menstruation normalisiert werden.
Die Punkte werden tonisierend akupunktiert oder über Ingwer mit jeweils drei bis fünf Moxakegeln moxibustiert. Die Behandlung beginnt zwei Tage nach Beendigung der Periodenblutung und wird an jedem zweiten Tag bis zum 25. oder 26. Tag des Menstrualzyklus durchgeführt. Wenn am 30. Tag keine Menstruation beginnt, akupunktiert man Bl 54 (zhì biān) mit starker Stimulation, um so den Beginn der Blutung zu erzeugen.
Buchempfehlung

Nielsen, Arya

Gua Sha

Eine traditionelle Technik für die heutige Praxis

Es ist verblüffend: Gua Sha ist ebenso praktikabel wie wirksam. Diese einfache Technik sollte zum Standardrepertoire jeder medizinischen und physiotherapeutischen Praxis gehören. In diesem Buch wird das Verfahren umfassend vorgestellt und wissenschaftlich begründet.