Bei akuter Diarrhö wollen wir die Energie im Verdauungstrakt (shū tiáo cháng wèi) regulieren, bei chronischen Diarrhöen ist das Behandlungsprinzip mehr die Stärkung von Milz und Magen (jiàn pí wèi) und das Wärmen des yáng der Nieren (wěn shèn yáng). Die Behandlungsmethoden sind das Blutenlassen mit der dreikantigen Nadel und das blutige Schröpfen. Es werden Punkte auf den folgenden Leitbahnen gewählt: Fuß und Hand yáng míng-Leitbahn, Lenkergefäß, Konzeptionsgefäß, Blasen-Leitbahn und Milz-Leitbahn. Auch außerordentliche Punkte werden angewendet.
  • Bl 25 (dà cháng shū) und Ma 25 (tiān shū) werden mit der dreikantigen Nadel punktiert und zum Blutenlassen geschröpft. An jedem Punkt werden 3 bis 5 ml Blut entnommen.
  • An den Verbindungsgefäßen in der Kniebeuge werden 10 bis 15 ml Blut abgelassen.
  • Mit der dreikantigen Nadel werden die Punkte Ma 36 (zú sān Iǐ) und MP 6 (sān yīn jiāo) punktiert und an jedem Punkt 3 bis 5 ml Blut abgelassen.
  • Die Punkte Bl 23 (shèn shū), Bl 25 (dà cháng shū) und Ma 25 (tiān shū) werden mit der dreikantigen Nadel gestochen und geschröpft, um an jedem Punkt 5 bis 10 ml Blut abzulassen.
  • Man sticht die acht Punkte sì fèng mit der dreikantigen Nadel und quetscht einige Tropfen Blut heraus, bis sich die Farbe des Blutes ändert. Dies kann man bei Erwachsenen und bei Kindern anwenden.
Therapeutischer Verlauf Bei akuten Fällen werden an jedem Tag 1 bis 3 Sitzungen durchgeführt, solange bis die Diarrhö aufhört. Bei chronischen Fällen wird einmal täglich behandelt, wobei fünf Sitzungen einen Therapiezyklus bilden. Zwischen zwei Sitzungen werden fünf Tage Pause eingelegt. Es werden zwei bis vier Therapiezyklen benötigt.

Fallbeispiel

Ein zweijähriger Junge, wurde von seiner Mutter ins Krankenhaus gebracht. Er hatte seit einer Woche täglich 5 bis 8 Durchfälle gehabt. Der Stuhl war dünn und gelb, der Appetit schlecht, aber der Junge hatte kein Fieber. Der Ernährungszustand des Kindes war mäßig, die Fingervenen erreichten die Grenze des qì (qí guān: die oberflächliche Vene, die am mittleren Segment des Zeigefingers lateral-ventral sichtbar wird und auf eine schwere Erkrankung des Kindes hinweist). Er hatte vermehrte übelriechende Windabgänge und gurgelnde Geräusche über dem Abdomen. Im Stuhl fanden sich weiße Blutzellen und viel Schleim. Mit einer dünnen Nadel wurde Ma 25 (tiān shū) gestochen, anschließend geschröpft und 1 ml Blut abgelassen. Am selben Tag wurden zwei Sitzungen durchgeführt, und der Durchfall war beendet und kehrte nicht wieder.
Scharfe Akupunktur mit der dreikantigen Nadel und blutiges Schröpfen bei Diarrhö