Auswahl der Punkte nach der Syndromdifferenzierung

a) Kopfschmerzen aufgrund von exogenen Infektionen (wài gǎn)

Bei exogenen Infektionen findet man verspannte Punkte und tastbare Muskelverspannungen an beiden Seiten der Halswirbel 1 bis 4 und der Brustwirbel 3 bis 5.

Die Behandlung muss den Wind zerstreuen und die oberflächlichen Pathogene austreiben (shū fěng jiě bìǎo), um den Schmerz zu lindern.

Dazu wählt man Punkte aus, die im Wesentlichen am Brustkorb und im Nacken liegen:

  • LG 14 (dà zhuī), Gbl 20 (fěng chí), tài yáng, der schmerzenden Stellen am Kopf, die großen und kleinen Handballen, die Ellenbeuge und die tastbaren Verspannungen werden beklopft.
  • Bei Schnupfen behandelt man auch die Nase, Di 20 (yíng xiāng) und yìn táng.
  • Bei Husten mit Schleimauswurf behandelt man die Seiten der Trachea, Lu 9 (tài yuān) und die Submandibularregion

b) Kopfschmerzen aufgrund von Aufbrausendem yáng der Leber (gān yáng shàng kàng)

Bei aufbrausendem Leber-Yang findet man tastbare Muskelverspannungen und weiche schwammartige Schwellungen an beiden Seiten der Halswirbel 1 und 2, der Brustwirbel 5 bis 10 und in der Taillengegend.

Die Behandlung besteht darin, das yīn zu nähren und yáng zu unterdrücken (yù yīn qián yáng), um eine Schmerzlinderung zu bewirken.

Man beklopft die Verspannungspunkte im Nacken, in der Taillengegend und im Bereich des Sakrum sowie Gbl 20 (fěng chí), MP 6 (sān yīn jiāo), Di 11 (qū chí), Pk 6 (nèi guān), Le 14 (qí mén), tastbare Fremdkörper und den Kopf. Die Punkte werden mit milder Stärke beklopft.

  • Bei Schwindel, der sich an trüben Tagen verschlimmert, geblähtem Magen, Appetitverlust und Abneigung zu sprechen, beklopft man beide Seiten der Brustwirbel 5 bis 12, KG 12 (zhōng wǎn), LG 14 (dà zhuī), Di 4 (hé gǔ) und Ma 36 (zú sān lǐ).
  • Bei einseitigen Kopfschmerzen, die durch emotionale Erregung verschlimmert werden, und bei Erschöpfung beklopft man den Nacken, Gbl 20 (fěng chí), 3E 5 (wài guān) und tài yáng auf der schmerzenden Seite.
  • Hat der Patient Schwindel, ein Völlegefühl im Kopf, heftige stechende Schmerzen in immer wiederkehrenden Attacken, einen langwierigen Krankheitsverlauf, einen wechselhaften (sè) Puls und einen dünnen Zungenbelag auf einer purpurfarbenen Zunge als Zeichen der Blutstase, beklopft man beide Seiten der Brustwirbel 5 bis 10, Gbl 20 (fěng chí), LG 20 (bǎi huì), KG 12 (zhōng wǎn), Di 4 (hé gǔ) und Ma 36 (zú sān lǐ).
  • Bei Verstopfung beklopft man den Unterbauch und das Gebiet des Sacrum.

c) Kopfschmerzen aufgrund eines Mangelzustands der Nieren (shèn xū)

Bei Nierenschwäche kann man Verspannungspunkte und schwammartige, empfindliche Stellen in der Taillengegend und im Sakralbereich tasten.

Die Behandlung besteht darin, die Nieren zu nähren (bǔ shèn), yin aufzufüllen (zī yīn), das Gehirn zu stärken (jiàn nǎo) und den Schmerz zu lindern.

Hier werden Punkte in der Taillengegend, im Sakralbereich, im Nacken und am Kopf ausgewählt, sowie MP 6 (sān yīn jiāo), LG 20 (bǎi huì), KG 4 (guān yuán), Gbl 20 (fěng chí), Pk 6 (nèi guān) sowie die palpierbaren Verspannungspunkte.

Als Modifikation kann man bei gleichzeitig vorhandener Impotenz und vorzeitigen Samenergüssen die Taillengegend, die Inguinalgrube, den dài mài Meridian und LG 20 (bǎi huì) beklopfen.

d) Kopfschmerzen aufgrund eines Mangels an qì und Blut (qì xuè liǎng xū)

Bei Blutmangel kann man druckempfindliche Stränge und schwammartige Schwellungen auf beiden Seiten der Brustwirbel 5 bis 12 finden, auch der Punkt Gbl 20 (fěng chí) ist schmerzhaft.

Die Behandlung besteht darin, qì und Blut zu pflegen (bǔ yǎng qì xuè) und den Schmerz zu stillen.

Man sucht Punkte beidseits der Wirbelsäule aus sowie am Kopf, außerdem LG 20 (bǎi huì), Gbl 20 (fěng chí), tài yáng, Pk 6 (nèi guān) und KG 12 (zhōng wǎn).

  • Bei Schlaflosigkeit, lebhaften Träumen und Herzklopfen beklopft man den Nacken, das Sakrum, H 7 (shén mén) und LG 20 (bǎi huì).
  • Bei Kopfschmerzen im Bereich der Stirn, Unwohlsein im Epigastrium, schlechtem Appetit, Aufstoßen und weichen Stühlen beklopft man beide Seiten der Brustwirbel 5-12, KG 12 (zhōng wǎn), Pk 6 (nèi guān) und Ma 36 (zú sān lǐ).

Verfahrensweise

a) Die Art des Beklopfens

An Verspannungspunkten mit einem Durchmesser von 0,5 bis 1,5 cm wird 20- bis 50mal beklopft.

An beiden Seiten der Wirbelsäule wird in drei Linien von oben nach unten beklopft: Die erste Linie liegt 1 cm lateral der Dornfortsätze der Wirbelsäule, die zweite Linie 2 cm lateral und die dritte Linie 3 bis 4 cm lateral der Wirbelsäule.

Der Kopf wird in der Art eines Netzes beklopft. Die Temporalregion beklopft man fächerförmig mit dem Punkt tài yáng als Zentrum und etwa in vier Linien aufwärts und abwärts.

Die Nase beklopft man entlang des Nasenrückens in 2 bis 3 Linien auf jeder Seite. Am Übergang vom Nasenknorpel zum Knochen sticht man 4 bis 5 Nadeln ein.

Die Ellenbeuge wird quer in 2 bis 3 Linien beklopft.

Auf jedem Handballen klopft man in drei Linien.

In der Submandibularregion beklopft man in drei Linien vom Unterkieferwinkel bis zum Kinn.

Am Unterbauch klopft man in Nabelhöhe von oben nach unten in 8 bis 9 Linien bis zur Symphyse und quer in 4 bis 5 Linien.

In der Inguialregion beklopft man von lateral nach mediokaudal in 2 bis 3 Linien.

Den dài mài-Meridian beklopft man in drei Kreisen.

b) Verlauf der Therapie

Bei exogenen Kopfschmerzen behandelt man zweimal täglich. Bei endogenen Kopfschmerzen behandelt man täglich oder jeden zweiten Tag, wobei 15 Sitzungen einen Therapiezyklus bilden. Nach zwei Wochen Pause kann man einen neuen Zyklus beginnen.

Bei Kopfschmerzen aufgrund von aufbrausendem yáng der Leber soll man leicht beklopfen und nur mäßig stimulieren. In hartnäckigen Fällen beklopft man beide Seiten des ersten Halswirbels und tastbare Verspannungen in der Halsgrube. Hier klopft man heftig bis zur Extravasation von Blut. Dann reibt man die Stelle mit einem Wattebausch ab. Dieses Blutenlassen führt man täglich fünfmal hintereinander durch.

Fallbeispiel: Kopfschmerzen

Ein 31jähriger Arbeiter litt seit drei Jahren an rezidivierenden Kopfschmerzen, die sich seit einem halben Jahr verschlechtert hatten. Die Schmerzen breiteten sich über den ganzen Kopf aus, besonders aber in der Okzipitalregion. Er war recht nervös, hatte ein explosives Temperament, konnte schlecht schlafen, sein Schlaf war durch Träume gestört, er hatte einen bitteren Geschmack im Mund, einen schlechten Appetit, der Urin war gelb und der Stuhl trocken. Es wurde die Diagnose neurotische Kopfschmerzen gestellt, und er wurde mit allen möglichen Arten von Medikamenten erfolglos behandelt.

Bei der Untersuchung war der Blutdruck 126/80 mmHg. Der Augenhintergrund war unauffällig, ebenso die Nase. Es fanden sich strangförmige und druckschmerzhafte Verhärtungen an beiden Seiten der Halswirbel 1 und 2 und der Brustwirbel 5 bis 10. Der Puls war schmal und gespannt (xì shāo xián), der Zungenbelag dünn. Die Diagnose war aufbrausendes yáng der Leber mit Nässe und Schleim.

Die Behandlung bestand darin, das yīn zu nähren, das aufbrausende yáng zu unterdrücken (yù yīn qián yáng), den Schleim zu eliminieren (huà tán) und den Schmerz zu lindern.

Mit der Pflaumenblütennadel wurden folgende Punkte beklopft: Der Nacken, beide Seiten der Brustwirbel 5 bis 10, die Taillengegend, das Sakrum, Gbl 20 (fěng chí), tài yáng, Pk 6 (nèi guān), Ma 36 (zú sān lǐ), der Kopf und die tastbaren Muskelverspannungen. Der Schmerz war weitgehend gelindert. Nach zehn Sitzungen traten nur noch selten Schmerzanfälle auf. Nach 22 Sitzungen wurde kein Kopfschmerz mehr empfunden. Er bekam weitere 37 Sitzungen. In der Nachuntersuchung hatte er ein halbes Jahr hatte keinen Rückfall gehabt.

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