Dazu werden die Punkte yì míng und Gbl 20 (fēng chí) als Hauptpunkte behandelt.
Als zusätzliche Punkte werden Bl 2 (zǎn zhú), qiú hòu, Dü 6 (yǎng lǎo) und Le 3 (tài chōng) ausgewählt.
Bei Mangelzustand von Leber und Niere werden zusätzlich Bl 18 (gān shù) und Bl 23 (shèn shù) behandelt, bei Mangel an qì und Blut Bl 17 (gé shù), Bl 20 (pí shù) und Ma 36 (zú sān lǐ).
Es werden die Hauptpunkte, die Nebenpunkte und die zusätzlichen Punkte in zwei Gruppen unterteilt, von denen bei jeder Behandlung eine akupunktiert wird. Eine Mischung von Radix Astragali seu Hedysari (huáng qí) und Radix Angelicae sinensis (dāng guī) (jeweils 4 ml) wird mit einer Spritze aufgezogen und mit einer 5 G Nadel an die jeweiligen Punkte injiziert.
Am Punkt Gbl 20 (fēng chí) und yì míng wird die Nadel auf das gegenüberliegende Auge gerichtet und 2 cùn tief eingeführt. Nach dem Erreichen des qì-Gefühls werden 1 bis 1,5 ml der Lösung injiziert.
An den Zustimmungspunkten am Rücken wird die Nadel 1 cm tief senkrecht eingeführt und nach dem Erreichen des qì-Gefühls 1 ml der Lösung injiziert.
Am Punkt Ma 36 (zú sān lǐ) wird senkrecht 2 cm tief eingestochen und nach dem Erreichen des qì-Gefühls 1,5 ml Lösung injiziert.
Auf diese Weise wird eine Behandlung an jedem zweiten Tag durchgeführt. An den anderen Tagen wird Körperakupunktur an den zusätzlichen Punkten durchgeführt. Am Punkt qiú hòu wird absolute Asepsis benötigt. Man drückt das Auge mit dem linken Zeigefinger beiseite und inseriert die Nadel langsam in Richtung auf das Foramen opticum. Wenn ein Widerstand auftaucht, wird nicht tiefer eingestochen. In der Regel ist eine Einstichtiefe von 1,5 cùn ausreichend. Man drückt auf die Einstichstelle mit einem Wattebausch, um Blutungen zu verhindern. An den anderen Punkten akupunktiert man nach den jeweiligen Erfordernissen.
Fallbeispiel 1
Eine 31jährige Arbeiterin konnte seit zwei Jahren an dunklen Orten nur verschwommen sehen. Dies hatte sich im letzten Jahr verschlimmert. Alle Behandlungsversuche hatten bisher nur unzureichende Ergebnisse gezeigt. Als sie zu uns kam, hatte sie in beiden Augen ein klopfendes Gefühl. Sie fühlte sich schwindlig, das Hörvermögen war beeinträchtigt, die Zunge war mit einem dünnen weißen Belag bedeckt. Der Puls war schmal (xì). Sie konnte nur Gegenstände unmittelbar vor ihr erkennen. Beide Retinae zeigten Pigmentdegenerationen. Die Sicht betrug 0,5 am rechten und 0,4 am linken Auge. Der Fundus zeigte eine blasse Papille des Nervus opticus mit klarer Abgrenzung auf beiden Seiten, zentral keine Lichtreflexion. Das Gesichtsfeld war in der Peripherie eingeschränkt.
Die Diagnose lautete: Mangel an Blut-qì (qì xuè bù zú), Unterernährung des Auges (mù shī rú yǎng).
Die Behandlung musste das qì kräftigen und das Blut nähren (bǔ qì yì xuè). Die Hauptpunkte und Bl 17 (gé shù), Bl 20 (pí shù) und Ma 36 (zú sān lǐ) wurden mit Injektionen behandelt. Nach zwei Monaten wurde das Sehvermögen besser (0,8 beiderseits), und die Farbe der Papillen kehrte zurück, auch das periphere Gesichtsfeld erweiterte sich um zehn Grad.
Fallbeispiel 2
Ein 36jähriger Arbeiter klagte seit zwei Jahren über nachlassendes Sehvermögen. Schon seit sechs Jahren konnte er nachts nur noch verschwommen sehen und tags immer weniger. Die augenärztliche Diagnose lautete: Pigmentose der Retina und sekundäre Katarakt. Als er zu uns kam, betrug sein Sehvermögen rechts 1,0, links 0,5. In der Nacht war er farbenblind und sah nur verschwommen. Der Augendruck war normal. Die Linse war verdichtet, in der Kornea waren kleine Schatten, im linken Glaskörper fanden sich opake Flocken. Der Fundus zeigte beidseitig abgeblasste Papillen, schmale retinale Gefäße mit verstreuten Pigmentflecken und eine verunreinigte Retina mit kristalliner Reflexion am hinteren Pol. Im Zentrum der Makula war keine Reflexion zu erkennen. Das Gesichtsfeld war stark eingeschränkt in der Peripherie.
Die Diagnose lautete: Mangelzustand von Leber und Niere (gān shèn kuī sǔn), Mangel von Blut und Essenz (jīng xuè bù zú), dadurch entstandene Unterernährung des Auges.
Die Behandlung musste die Nieren nähren und die Leber auffüllen (bǔ gān yì shèn), das Blut anregen und so die Sicht verbessern (yǎng xuè míng mù). Die Hauptpunkte und Bl 18 (gān shù) und Bl 23 (shèn shù) wurden mit Injektionen behandelt. Nach zwei Monaten hatte sich das Sehvermögen auf 1,5 rechts und 0,8 links verbessert. Auch das periphere Gesichtsfeld war größer geworden.























































































































































































































































































































































