Punktauswahl
Als Hauptpunkte werden Ma 36 (zú sān Iǐ), Di 11 (qū chí) und LG 20 (bǎi huì) angewendet. Als zusätzliche Punkte werden 3E 5 (wài guān), Di 15 (jiān yú), MP 6 (sān yīn jiāo), Gbl 31 (fěng shì), Bl 18 (gān shū), Bl 20 (pí shū) und Bl 23 (shèn shū) verwendet.
Modifikationen
Bei Aphasie: KG 23 (lián quán), yǎ qí (ein Punkt, der 1 cùn unterhalb des Kieferwinkels liegt), die erste Sprachregion auf dem Scalp (2/5 unterhalb der motorischen Region).
Bei Taubheit: Dü 19 (tīng gōng), Gbl 2 (tīng huì), 3E 17 (yì fěng) als Zusatzpunkte.
Bei heftigem Speichelfluss: Ma 6 (jiá chě) und KG 23 (lián quán) zusätzlich.
Bei Urininkontinenz: KG 4 (guān yuán), Bl 24 (qì hǎi shū), KG 3 (zhōng jí) und Bl 28 (páng guāng shū) zusätzlich.
Man kann auch mit der Pflaumenblütennadel den Hals, den Brustkorb, die Taillengegend, die Sakralregion und jeweils 1,5 cùn beidseits des Blasenmeridians oder den yáng míng-Meridian der betroffenen Gliedmaße beklopfen. Hier kann man auch moxibustieren.
Vorgehen
Bei jeder Sitzung werden ein bis zwei Punkte auf den betroffenen Gliedmaßen oder Rücken-shū-Punkte ausgewählt. Nach dem Erreichen des Nadelgefühls dreht man die Nadeln vorsichtig für 10-15 Sekunden und lässt sie dann 20 Minuten liegen. In dieser Zeit werden sie ein bis zweimal gedreht. Bei Kindern erkennt man das Nadelgefühl daran, dass das Gewebe zu zittern beginnt. Wenn man die Nadeln entfernt hat, kann man mit der Pflaumenblütennadel den Blasenmeridian entlang behandeln oder mit warmen Methoden moxibustieren.
Fallbeispiel
Ein 13jähriges Mädchen entwickelte zwei Wochen nach einem leichten Fieberanfall mit wechselnden Bauchschmerzen und Übelkeit schlaffe Gliedmaßen und eine Verziehung des Mundes nach links sowie Sprachstörungen. Die Diagnose eines Thalamussyndroms der linken Seite mit Verdacht auf Betroffenheit der Capsula interna und der Pyramidenbahn wurde gestellt, eine entzündliche Erkrankung wurde ausgeschlossen. Sie wurde einen Monat lang erfolglos behandelt und dann zu uns überwiesen.
Die Patientin hatte den dumpfen Gesichtsausdruck eines chronisch kranken Menschen. Sie konnte schlecht sprechen, der Mund war verzogen, ihre rechtsseitigen Gliedmaßen schmerzten und sie hatte dort verminderte Sensibilität für Temperatur und Schmerz. Das Vibrationsempfinden war verlorengegangen, der Muskeltonus vermindert und die Muskeleigenreflexe abgeschwächt. Es fanden sich pathologische Reflexe. Die Pulse waren weich (rú), die Zunge war blass mit dünnem, gelbem Belag. Der Urin war normal, der Stuhlgang ein bis zweimal täglich von weicher Konsistenz.
Diagnosestellung: Diese Erkrankung ist verursacht durch pathogene Nässe-Hitze, die in den yáng míng-Meridian eindringt und dort zur Stagnation führt. Dies wiederum führte zu schlaffer Lähmung. Die chronische Erkrankung hat die Nieren und die Leber angegriffen und dort einen Mangel an Essenz verursacht, dies zeigt sich in der Übelkeit und den schlaffen Gliedmaßen.
Die Behandlung musste hauptsächlich auf den yáng míng-Meridian gerichtet sein, aber auch die Meridiane von Herz, Leber, Milz und Nieren einschließen. Zu Beginn war die Nässe-Hitze noch nicht geklärt, deshalb musste zunächst der yáng míng-Meridian akupunktiert und neutral manipuliert werden, um diesen Meridian zu klären und die Nässe-Hitze auszuleiten. Im Anschluss sollte tonisierend manipuliert werden, um qì und Blut der Organe zu regulieren und alle Meridiane durchgängig zu machen. Es wurde geplant, an jedem zweiten Tag zu behandeln, wobei zehn Behandlungen einen Therapiezyklus bilden.
Wir begannen mit Ma 36 (zú sān Iǐ), MP 6 (sān yīn jiāo), Di 11 (qū chí), KG 23 (lián quán) und behandelten abwechselnd mit der Pflaumenblütennadel an den Punkten Bl 21 (wèi shū), Bl 20 (pí shū) und Bl 25 (dà cháng shū). Nach drei bis fünf Sitzungen besserte sich die Übelkeit, ihr Geist wurde klarer, der Appetit steigerte sich, die Bauchschmerzen sistierten und sie konnte das rechte Bein und den rechten Arm besser bewegen. Die Behandlung wurde nun genauso fortgesetzt. Nach zehn Behandlungen hatte sie ihre Energie zurückgewonnen, konnte besser sprechen und langsam kehrten die sensorischen Funktionen der betroffenen Gliedmaßen zurück. Auch die Gesichtslähmung verminderte sich und sie konnte die Arme heben. Sie konnte etwa zehn Treppenstufen steigen, war aber noch schnell erschöpft. Der Puls war gemäßigt (huǎn), die Zunge hatte einen dünnen, feuchten Belag. Die Nässe-Hitze im yáng míng-Meridian war beseitigt und die Funktionen von Milz und Magen hatten sich gebessert, auch die Essenz von Leber und Nieren begann sich wieder zu füllen.
Bei der zweiten Behandlungsserie änderte sich das Behandlungsprinzip. Jetzt kam es darauf an, die Essenz von Leber und Nieren zu nähren (tiáo yǎng gān shèn fīng qì) und die Quelle der erworbenen Umwandlungsfunktion von Milz und Magen zu stärken (qiáng pí wèi hòu tiān shěng huà zhi yuán). Die Punkte Le 3 (tài chōng), N 3 (tài xī), Bl 18 (gān shū), Bl 20 (pí shū), Bl 23 (shèn shū), Ma 36 (zú sān Iǐ), MP 6 (sān yīn jiāo) und Di 11 (qū chí) wurden dazu ausgewählt und jeweils tonisierend manipuliert. Außerdem wurde links auf der motorischen Region des Skalp akupunktiert und die Rücken-shū-Punkte warm moxibustiert. Diese Behandlungen wurden zweimal in der Woche durchgeführt. Nach zwei Behandlungszyklen mit je zehn Behandlungen waren die sensorischen und motorischen Funktionen aller Gliedmaßen im Wesentlichen wiederhergestellt. Nun wurde noch ein Behandlungs-zyklus durchgeführt, um das Ergebnis zu stabilisieren.
Nach drei Behandlungszyklen wurde die Patientin nachuntersucht. Sie war dann bei vollem Bewusstsein, konnte normal sprechen, alle sensorischen Funktionen der Gliedmaßen waren wiederhergestellt, Motorik, Sensibilität und Sehnenreflexe waren normalisiert. Es wurde ihr erlaubt, halbe Tage lang die Schule zu besuchen und nach weiteren zwei Wochen konnte sie ganze Tage zur Schule gehen. Sie wurde auch neurologisch untersucht. Dabei zeigten sich normale Befunde der Hirnnerven und alle motorischen und sensorischen Funktionen waren intakt. Nach drei Jahren wurde die Patientin erneut untersucht und zur Konsolidierung wurden erneut drei Behandlungsserien gegeben.
BUCHEMPFEHLUNGEN
Kirschbaum, Barbara
Handbuch Zungendiagnostik
Die Zungenzeichen in der Chinesischen Medizin
Die Zungendiagnostik ist wesentlicher Bestandteil einer vollständigen Chinesischen Diagnose. Sie ist wichtig für eine zielführende therapeutische Entscheidung und vor allem für die prognostische Beurteilung des Krankheitsverlaufs. Die Zungenzeichen geben außerdem Aufschluss über konstitutionelle und energetische Stärken und Schwächen des Patienten.























































































































































































































































































































































